Meldung | 09.10.2015

Periscope: Streaming für Jedermann

Im Zuge der wachsenden Anzahl von Live-Streaming-Angeboten haben wir für Sie die wesentlichen Charakteristika des Live-Streaming-Dienstes „Periscope“ stellvertretend für weitere Angebote (Meerkat, Facebook Mentions) genauer betrachtet.

Was ist Periscope?

Vor etwa einem Jahr startete Periscope in der Absicht, die Welt durch die Augen von jemand anderem betrachten zu können. Nutzer können anderen Nutzern auf der ganzen Welt folgen und deren Videoinhalte live verfolgen. Öffentliche Periscope-Videos anderer Nutzer kann man, sofern man den (via Twitter verbreiteten) Link kennt, ohne weiteres auf PC, Smartphone oder Tablet verfolgen. Um alle Funktionen, wie das Kommentieren anderer Beiträge oder das Suchen via Landkarte, nutzen zu können oder selbst live zu streamen, ist eine Anmeldung via Twitter oder per Telefonnummer nötig sowie die entsprechende kostenlose iOS bzw. Android App. 

Wozu Periscope?

Das Angebot eignet sich zunächst für jeden Nutzer zur Übertragung von eigenen Inhalten. Zur professionellen Verwendung bietet sich der Dienst aber besonders für Live-Berichterstattung an. So ist es kaum verwunderlich, dass Journalisten den Dienst vermehrt nutzen und Medienhäuser wie RTL oder Axel Springer neue Formate ausprobieren (Live-Interviews oder die Aktion „24h BILD“ bei Periscope). Der bisher erfolgreichste deutsche Stream wurde ebenfalls von einem BILD-Reporter erreicht, als das GNTM-Finale auf Grund einer Bombendrohung abgebrochen werden musste. 3000 Nutzer konnten hier verzeichnet werden.

Periscope bietet sich auch als Tool zur Recherche an: Eine Funktion des Dienstes ermöglicht es beispielsweise, alle aktiven Streams angezeigt zu bekommen. Sind Journalisten im Falle einer Katastrophe oder eines spontanen Events selbst vor Ort, können sie mittels der App direkt live berichten. Sind sie nicht anwesend, können sie über Periscope prüfen, ob andere Nutzer vor Ort sind und vom Ereignis bereits Live-Material vorliegt. Periscope wird auch bereits bei öffentlichen Events wie Pressekonferenzen genutzt, um die Inhalte an Interessierte ohne großen Aufwand zu übertragen. Ebenfalls werden Live-Interviews von Politikern und Prominenten über die Plattform ausgestrahlt, da durch die Interaktionsmöglichkeiten auch den Zuschauern die Möglichkeit geboten wird, sich einzuschalten und Fragen zu stellen. 


Die Zugriffszahlen bewegen sich jedoch derzeit in der Regel im unteren dreistelligen Bereich. Ein Zuwachs ist zu erwarten, da immer mehr ausländische Medienhäuser den Dienst regelmäßig nutzen. 

Problematische Aspekte

Problematisch ist allem voran die ungefilterte Liveschaltung. Das Material ist unbearbeitet und birgt auf Grund seiner Unvorhersehbarkeit Jugendschutzrisiken. Gerade in Katastrophengebieten oder Krisenregionen kann nicht vorhergesehen werden, was als nächstes passiert und was somit die Zuschauer als nächstes zu sehen bekommen. Auch die absichtliche Ausstrahlung jugendschutzrelevanter Inhalte, wie beispielsweise pornografische, gewalttätige oder extremistische Clips, ist nicht auszuschließen. Außerdem können leicht Persönlichkeitsrechts- und Urheberrechtsverletzungen auftreten, bspw. indem Menschen gefilmt werden, die nicht ihr Einverständnis gegeben haben oder Konzerte oder Veranstaltungen live übertragen werden, für die es exklusive Ausstrahlungsverträge gibt. 


Außerdem stellt sich die Frage, ob Periscope Rundfunk im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages ist und ob es einer Sendelizenz bedarf, wenn über die App gestreamt wird. Grundsätzlich gilt: Wenn mit den gestreamten Inhalten mehr als 500 Nutzer erreicht werden können (also der Empfängerkreis nicht entsprechend begrenzt wird), sie journalistisch redaktionell gestaltet sind und in einer gewissen Regelmäßigkeit erscheinen, kann es sich um zulassungspflichtigen Rundfunk handeln. In bestimmten Fällen könnte es also sein, dass Periscope-Nutzer Rundfunklizenzen beantragen müssten. 

Eine Checkliste dazu, ob es sich bei Angeboten um Rundfunk handelt, können Sie unter folgendem Link herunterladen: