Unterhaltung ohne Grenzen?

Der Schutzbereich der Menschenwürde in den Programmgrundsätzen der Medienstaatsverträge

Fernsehsendungen, die Grenzen überschreiten – Grenzen der Moral, Grenzen des guten Geschmacks, aber auch Grenzen des Rechts – werden in den letzten Jahren immer mehr diskutiert. Viele Zuschauer beklagen dabei gezielten Tabubruch und Provokation als Teil des Unterhaltungssystems. „Medienamateure“ spielen sich selbst, Privatheit und Intimität scheinen nichts mehr zu bedeuten. Auch Ekel- und Angstformate sowie Erziehungs- und Ratgebersendungen spielen mit Toleranzgrenzen, sie weisen jedoch auch ein Gefährdungspotenzial für die Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde der Teilnehmer auf. Im Zusammenhang mit Kategorisierungen wie „Talkshows“, „Trash-TV“, „Psycho-Shows“ oder „Ekelfernsehen“ wurde eine intensive Debatte darüber geführt, ob spezielle Formate mit den Programmgrundsätzen des Rundfunkstaatsvertrages sowie des Jugendmedienschutzstaatsvertrags – und dabei insbesondere mit dem Auftrag zum Schutz der Menschenwürde – vereinbar waren bzw. sind.

Für die Verantwortlichen im Bereich der Medienaufsicht stellt der Schutz der Menschenwürde oftmals auch aufgrund der „freiwilligen Teilnahme“ der Protagonisten eine besondere Herausforderung dar. Wie weit darf Unterhaltung gehen? Wann ist ein Eingreifen der Landesmedienanstalten notwendig und zulässig?

Angesichts der weiter bestehenden dominanten Rolle des Fernsehens als Leitmedium sowie der bisherigen Herangehensweise an die (tatsächliche) Feststellung von Menschenwürdeverletzungen skizziert das vorliegende LfM-Gutachten die bisherige Debatte und zieht eine Zwischenbilanz. Es systematisiert und konkretisiert den Schutzbereich der Menschenwürde im Hinblick auf die rechtliche Bewertung, zeigt relevante Formatgruppen und deren Gefährdungspotenzial auf und benennt mögliche Verletzungskategorien. Dabei werden die Rechtsgrundlagen sowie die aktuelle Aufsichts- und Rechtssprechungspraxis vorgestellt, um so die Grenzen und Reichweite der Menschenwürdeverletzung zu skizzieren. 

Publikation:

Nadine Klass: Unterhaltung ohne Grenzen? Der Schutzbereich der Menschenwürde in den Programmgrundsätzen der Medienstaatsverträge. Berlin (Vistas) 2011. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), Band 69. ISBN 978-3-89158-554-2, 12,- Euro.