Ein Modell für die Zukunft

Ausgestattet mit einer Wagnisfinanzierung in Millionenhöhe befindet sich Merkurist auf Expansionskurs. Mit zwei Kompagnons hat Conrad Anfang 2014 die Mercurious GmbH gegründet und im Sommer 2015 „Merkurist Mainz“ an den Start gebracht. 2016 wurden in Wiesbaden und Frankfurt die ersten beiden Ableger etabliert.

In Mainz erreicht Merkurist nach eigenen Angaben rund 140.000 Leser im Monat. Nach 40.000 Euro im ersten Jahr setzte Conrad 2016 rund 180.000 Euro um. Fünf Jahre nach dem Start will er in Mainz alleine eine Millionen Euro erreichen.

Das soll aber nur der Anfang sein: langfristig will Merkurist in jeder deutschen Kommune mit mehr als 20.000 Einwohnern vertreten sein.

Einige Beobachter halten Conrad für größenwahnsinnig, andere für naiv. Viele Journalisten sehen ihn als Totengräber des Journalismus, wie sie ihn kennen. Einige technologie-affinere Experten beobachten seine Schritte mit großer Spannung.

Tatsächlich ist es die Technologie, die „Factory“, wie Conrad es nennt, die Merkurist besonders macht. Acht Entwickler beschäftigt das Unternehmen. Und die haben ein Redaktionssystem programmiert, das weit über ein herkömmliches Content Management System (CMS) hinausgeht und tatsächlich die Basis einer Fabrik für den Journalismus der Zukunft sein kann.

Hocheffizient und vor allem skalierbar: überall und für eigentlich jedes Thema einsetzbar, weit über das Lokale hinaus. Größe und Wachstum sind daher für Conrad kein Problem, sondern seine Chance. Und er hat den Plan, relativ rasch auf 200 Einsatzorte zu kommen. Das Stichwort lautet „McDonald‘s“. Dazu mehr:  Das Geschäftsmodell

Journalismus als Business Case

Conrad hat Betriebswirtschaft studiert, ist bekennender Zahlenmensch und war Unternehmensberater in der Finanzbranche. Über die Familie hatte er immer eine Nase im Journalismus, und ausgerechnet das Ende der Financial Times stachelte seinen Ehrgeiz an.

Er untersuchte die traditionelle Zeitung als Business Case und war schockiert, wie rückständig die Verlage jahrelang mit dem Thema Online umgegangen sind. „Die haben das Thema nur als weiteren Kanal gesehen“, wundert er sich noch heute. Doch statt sich von dieser dem Untergang geweihten Branche abzuwenden, stieg er ein. Um herauszufinden, wie es funktionieren könnte. Und um es besser zu machen.

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