Taeglich.ME: Zurück zu den Wurzeln

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Text: Georg Watzlawek

Die Gründer von Taeglich.ME machen exakt das, was sie seit Jahrzehnten praktiziert hatten, zuletzt aber nicht mehr umsetzen konnten: guten, bodenständigen, lokalen Journalismus. Aber nicht mehr auf Papier, sondern im Netz. Und dabei trauen sie sich etwas: Sie stellen alle Texte hinter eine harte Bezahlschranke. Geht diese Rechnung auf?

Thomas Reuter und seine Kollegen haben den schleichenden Niedergang der traditionellen Lokalzeitung am eigenen Leib erfahren. "Der Lokalteil wurde immer kleiner, die Qualität sank, der Preis stieg", sagt Reuter, der viele Jahre Vize-Redaktionsleiter der Westdeutschen Zeitung (WZ) im Kreis Mettmann war: "In den letzten Jahren gab es für eine vernünftige Vereinsberichterstattung keinen Platz, nicht mal für Termine. Wir konnten nicht abbilden, was in unseren Orten passiert - das war sehr frustrierend."

Allen war klar, dass diese Situation nicht mehr lange zu halten war; die Entscheidung der WZ, die Berichterstattung im Kreis Mettmann komplett aufzugeben und die Inhalte von der Rheinischen Post zu übernehmen, kam im März 2014 dennoch überraschend. Zum 1. August wurde die Berichterstattung weitgehend eingestellt, die WZ brachte nur noch einen "Einheitsbrei aus zweiter Hand", sagt Reuter.

Die Gründer von Taeglich.ME Philipp Nieländer, Thomas Reuter, Thomas Lekies und Tanja Albrecht (v.l.n.r.)
Die Gründer von Taeglich.ME Philipp Nieländer, Thomas Reuter, Thomas Lekies und Tanja Albrecht (v.l.n.r.)

Doch der Redakteur Reuter, seine Kollegen Thomas Lekies und Tanja Albrecht waren vorbereitet, auf eigene Faust weiterzumachen. Und es besser zu machen. Schon im November 2014 ging "Taeglich.ME - die digitale Zeitung im Kreis Mettmann" online.

Die ehemaligen WZ-Redakteure hatten mit Patrick Dahm einen Mediengestalter gefunden, der den gesamten technischen Bereich übernahm. Philipp Nieländer, der Erfahrung beim örtlichen Anzeigenblatt und als selbständiger Journalist hatte, stieg mit ein und kümmerte sich zusätzlich um das Anzeigengeschäft.

Einige Monate hatten sie an einem Alternativkonzept gebastelt, sogar eine gedruckte Zeitung durchgerechnet und sich dann für eine Website entschieden.

Sie informierten sich bei der Wirtschaftsförderung, gründeten die "Taeglich.ME UG (haftungsbeschränkt)" sowie die "Mettmann Medien Gesellschaft", die für die "Taeglich.ME & Co. KG" haftet; damit übernehmen die fünf Gründer keine persönliche Haftung. Reuter und Nieländer wurden Geschäftsführer.

Nur Online, nur hinter der Bezahlschranke

"Ein Grundsatz war uns klar: Wir machen nur Online, aber konsequent hinter einer Bezahlschranke - wir verschenken nichts", sagt Reuter. Mit dem Basiskonzept zogen die Lokaljournalisten über die Dörfer, sprachen bei ihren vielen Kontakten vor und erfragten, welche Informationsbedürfnisse tatsächlich bestehen.

Dabei stießen sie auf große Resonanz. Vertreter aus der Lokalpolitik , den Stadtverwaltungen, den Vereinen spiegelten die eigenen Erfahrungen der Journalisten wider, beklagten sich, dass sie „in den Medien gar nicht mehr stattfinden“.

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Zum Autor: Georg Watzlawek ist Volkswirt und Journalist, hat als Korrespondent in Russland und den USA gearbeitet und digitale Formate mit entwickelt. Seit 2015 arbeitet er selbstständig an der Entwicklung journalistischer Plattformen, im Zentrum steht derzeit die lokale digitale Tageszeitung Bürgerportal Bergisch Gladbach