Alle Inhalte hinter der Bezahlschranke

Die Website von Taeglich.ME sieht auf den ersten Blick wie eines der vielen Lokalportale aus, die von den Verlagen oder von selbständigen Lokaljournalisten betrieben wird.  Deutlich konservativer als vieles, was sonst auf dem Markt ist. Es gibt kaum Videos und keine blinkende Werbung.

Wer jedoch auf einen der Artikel klickt, erkennt den revolutionären Unterschied: Als eines von sehr wenigen digitalen journalistischen Projekten in Deutschland haben die die Mettmänner von Anfang an eine harte und konsequente Bezahlschranke installiert.

Das Angebot auf der Startseite und auf den Seiten der einzelnen Städte sieht man in Form von Überschrift und Startbild, mehr aber nicht. Fast alle Texte liegen hinter der Paywall, zum Teil sogar PR-Meldungen mit Ticketverlosung.

Abomodelle bei Taeglich.ME
Abomodelle bei Taeglich.ME

Jeder Leser muss sich registrieren, dann gibt es für Einsteiger Tagesabos für einen Euro, die Woche für fünf, den Monat für sieben Euro. Das ganze Jahr kostet dann 60 Euro – oder 16 Cent am Tag. Die Abos erneuern sich nicht automatisch – die Leser sollen sich bewusst für einen Neuabschluss entscheiden.

Die Zahlung kann per PayPal, Lastschrifteinzug oder Rechnung/Überweisung erfolgen. Für die Abwicklung nutzt die Redaktion einen deutschen Dienstleiter, der aber für die Abonnenten im gesamten Zahlungsprozess nicht zu erkennen ist.

4.520 zahlende Nutzer in  zwei Jahren

Bislang haben sich insgesamt 4.520 Personen auf der Seite registriert und wenigstens ein Tagesabo abgeschlossen. „Die allermeisten“ dieser Personen, so Nieländer, seien derzeit auch aktiv. Genaue Zahlen und auf welche Abopakete sie sich beziehen, nennt er jedoch nicht.

Viele Leser fingen klein an, mit einem Wochenpass, und stockten dann Schritt für Schritt auf, bis sie beim Jahresabo landen. Einmal dort angekommen, bleiben sie in der Regel auch: Die Wiederholungsquote liege bei den Jahresabos bei über 90 Prozent.

Taeglich.ME nennt auch keine Umsatzzahlen. Doch die beiden Geschäftsführer sind davon überzeugt, mit der Bezahlschranke das richtige Modell gewählt zu haben. Wobei sie diese Wahl sehr grundsätzlich sehen: „Das ist unser Job, dafür wollen wir auch bezahlt werden, journalistische Arbeit hat ihren Wert.“

Statistik Taeglich.ME
Statistik Taeglich.ME

Sehr große Reichweitenzahlen können sie damit nicht erzielen, die Mediadaten weisen gut 300.000 Pageimpressions im Monat aus, zuletzt waren es laut Nieländer 350.000 Seitenabrufe.

Klassische Displaywerbung zu günstigen Preisen

Das wirkt sich auf die Anzeigenpreise aus. Die Werbung auf der Seite ist lokal und kleinteilig, die Preise sind zurückhaltend kalkuliert. Buchungen sind ab 60 Euro für einen Monat möglich; für 730 Euro bekommt man auf der Start- und allen Folgeseiten eine große, prominent platzierte Anzeige, 30 Tage lang.

Die Kunden kommen zu 100 Prozent aus der Region, von ganz klein bis rauf zur lokalen Sparkasse und dem Energieversorger.

Content Marketing in Form von Native Ads, die sich in der Form den redaktionellen Inhalten anpassen, bietet die Redaktion nicht an. „Uns ist die klassische Trennung zwischen Texten und Anzeigen wichtig“, sagt Reuter. Er deutet aber auch an, dass die Gesellschafter darüber diskutieren, zum Beispiel „Anzeigensonderseiten“ für bestimmte Themen anzubieten. Was eigentlich nichts anderes ist als ein klassisches Advertorial, nur digital.

Das Anzeigengeschäft war am Anfang gar nicht geplant gewesen, aber dann seien die Anfragen von selbst gekommen. Also wurde ein Angebot in Form klassischer Banneranzeigen entwickelt. Auch die Gestaltung der Anzeigen übernimmt Taeglich.ME, „damit wir auch kleinen Unternehmen maßgeschneiderte Pakete bieten können“, berichtet Nieländer.  

Erhoben werden die Sichtkontakte und die Klicks auf die Anzeigen, konventionell mit Google Analytics. „Wenn ein Unternehmen vor Ort 60 Euro ausgibt und dafür 60 Klicks bekommt, ist es zufrieden und investiert auch weiter“, berichtet Nieländer.

Tausenderkontaktpreise (TKP) setzt Taeglich.ME nicht ein: „Internet-Anzeigen im lokalen Umfeld zu verkaufen ist schon schwierig genug, da können wir nicht auch noch die TKP erklären“, sagt Nieländer.

Grundsätzlich soll bei den Einnahmen ein gleichgewichtiges Verhältnis von Anzeigen und Abos erreicht werden, derzeit hat der Vertrieb mit zwei Drittel des Umsatzes aber noch ein deutliches Übergewicht. Es gibt nur wenige größere Aufträge, kaum langfristige Anzeigenschaltungen – aber viele Wiederholer-Anzeigen.

Auch beim Anzeigenumsatz gibt Taeglich.ME keine absoluten Zahlen an. Nieländer verrät nur, dass sich der Anzeigenverkauf in 2016 gegenüber dem ersten Betriebsjahr verdoppelt habe.

Schwarze Zahlen

Im ersten Jahr sei das Unternehmen noch dem eigenen Businessplan hinterher gelaufen, im zweiten Jahr (2016) seien die Ziele bereits übererfüllt worden. „Wir brauchen eine lange Anlaufzeit: Zeitungsleser sind einerseits sehr leidensfähig, andererseits dauert es, bis sie neues Vertrauen aufgebaut haben“, sagt Nieländer.

Die UG & Co. KG schreibe schwarze Zahlen. Allerdings beziehen die Gesellschafter keine Gehälter und hielten sich in den ersten beiden Jahren mit Gewinnentnahmen sehr zurück. Sie investierten in Technik und Marketing und bestritten ihren Lebensunterhalt zum Teil mit anderen freiberuflichen Tätigkeiten. Im laufenden dritten Jahr aber, so der Plan, sollen alle Gesellschafter von ihrer Arbeit für Taeglich.ME „vernünftig leben“ können.

Über die vier aktiven Gesellschafter hinaus arbeitet die Zeitung mit vier Freiberuflern in unterschiedlicher Intensität zusammen, die pro Artikel oder nach Tagessätzen bezahlt werden. „Wir wollen ordentlich bezahlen, können uns aber noch nicht durch langfristige Verträge binden“, erläutert Nieländer. Daher seien die Honorare auch an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt.

Bürgerjournalisten setzt Taeglich.ME nicht ein, alle Mitarbeiter haben eine journalistische Ausbildung, viele seien erfahrene Redakteure. Probleme, neue Leute zu finden, hat die Redaktion angesichts der Marktlage für Journalisten nicht; es kommen immer wieder Anfragen herein.

Hinzu kommen zwei freie Anzeigenberater, die sich mit Nieländer um die Akquise kümmern. Für diese Aufgabe geeignete Leute zu finden, sei dagegen schwer.

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