Verluste beim Einkommen, aber Gewinn bei der Perspektive

Von ihren früheren Einkommen als Festangestellte sind Reuter und Kollegen auch im dritten Jahr der Selbstständigkeit noch ein Stück weit entfernt. Aber sie sind zufrieden. Weil es ihnen wieder Spaß  macht, Journalist zu sein – und weil sie eine wirtschaftliche Perspektive sehen.

Dafür haben sie es auch persönlich in Kauf genommen, neue Rollen einzunehmen. Alle waren erfahrende Redaktionsmanager, aber keine Unternehmer oder Geschäftsführer. „Wir sind da reingeworfen worden und haben uns erst danach Schritt für Schritt professionalisiert“, erzählt Reuter.

Dabei sei ihre Buchhalterin eine enorme Hilfe gewesen, weil sie „die richtigen, unangenehmen Fragen“ immer wieder gestellt habe.  Und damit zum Beispiel erreicht habe, dass die (vor allem zeitlichen) Ressourcen nicht auf das verwandt werden, was am meisten Spaß macht (sprich: Schreiben), sondern was das Unternehmen am meisten voranbringe (sprich: Anzeigen verkaufen und Prozesse optimieren).

Eine weitere Erkenntnis war, dass es nicht reicht, das neue Medium nur über die eigenen Kanäle und über Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt zu machen. Sehr schnell setzte das Start-Up auf diverse Marketingkanäle: auf Flyer, auf Anzeigen bei Facebook, auf eine starke Präsenz bei Stadtfesten und anderen Veranstaltungen sowie auf Sponsoring.

Maßgeschneidertes CMS eröffnet weitere Perspektive

Bei der Technik setzt Taeglich.ME wie viele andere unabhängige Webseiten auf Wordpress als Content Management System. Allerdings in einer Version, die IT-Chef Patrick Dahm entwickelt hat. Leitlinie dabei war eine sehr einfache, gradlinige Benutzerführung – damit auch ein 80-Jähriger auf seinem Tablet mit Taeglich.ME gut zurechtkommt. Hätte man den Auftrag an eine externe Agentur vergeben, hätte man dafür mindestens 30.000 Euro bezahlen müssen, schätzt Nieländer.

Daraus ergibt sich eine weitere geschäftliche Perspektive. Als Fernziel kann sich die Mannschaft von Taeglich.ME vorstellen, das gesamte technische System inklusive der Bezahlschranke in Form von Franchise-Verträgen an andere journalistische lokale Start-ups weiter zu geben. Die ersten Anfragen gebe es bereits.

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