13.06.2017

Non-Profit: Gründen im Journalismus

Scott Lewis von Voice of San Diego
Scott Lewis von Voice of San Diego. Foto: Andreas Domma

Non-Profit-Journalismus will keinen Gewinn machen, ist demnach nicht an wirtschaftlichen Zielen orientiert – und deshalb unabhängig von Verlagen oder Werbekunden. In den USA existieren bereits hunderte Non-Profit-Projekte im Journalismus, die sich vor allem investigativen Recherchen und gemeinnützigen Zwecken widmen. Hingegen ist Non-Profit-Journalismus in Deutschland noch „ein junges und zartes Pflänzchen“ wie Thomas Schnedler im Rahmen der Gründertour in Hamburg sagte. Er ist kooptiertes Mitglied im ehrenamtlichen Vorstand von netzwerk recherche e.V. und betreut dort die Arbeit zur Stärkung des gemeinnützigen Journalismus und zu Fragen der Journalismusfinanzierung.

Verschiedene Finanzierungsquellen

Für Non-Profit-Journalismus gibt es verschiedene Finanzierungsquellen, zum Beispiel durch eine Stiftung oder durch die Community.

Stiftungsfinanziert: Etwa 120 Stiftungen in Deutschland fördern Journalismus durch Stipendien für Recherche oder Weiterbildung, Preise und gemeinnützige Projekte. Meistens können journalistische Projekte zwischen 5.000 und 50.000 Euro als Förderung von Stiftungen erhalten, sagt Expertin Stephanie Reuter, die Geschäftsführerin der Rudolf Augstein Stiftung ist. Wichtig zu wissen ist, dass die Finanzierung fast immer zweckgebunden und zeitlich begrenzt ist.

Community-finanziert: Non-Profit-Journalismus kann sich auch durch die eigene Community finanzieren, indem Leser, Hörer oder Zuschauer beispielsweise Abonnements, Mitgliedsbeiträge oder Spenden zahlen, um journalistische Projekte zu unterstützen. Auch mit Crowdfunding konnten in Deutschland schon einige Non-Profit-Projekte im Journalismus erfolgreich starten. Für die Bereitschaft, Geld zu zahlen, können Mitglieder der Community auch bestimmte Vorteile erhalten.

Best Practice: Voice of San Diego

Screenshot Voice of San Diego
Screenshot Voice of San Diego

Scott Lewis, Editor in Chief bei „Voice of San Diego“, war bei der Gründertour in Hamburg zu Gast und berichtete, wie sich das journalistische Non-Profit-Projekt erfolgreich finanziert: Schon 2005 gegründet, ist „Voice of San Diego“ die erste Online-Nachrichtenseite, die sich lokalem Journalismus und investigativer Recherche widmet. Laut Scott Lewis ist „Voice of San Diego“ ein Non-Profit-Projekt, um sich so viele Geldquellen wie möglich zu erschließen, damit die Nachrichtenseite inhaltlich und finanziell unabhängig von einzelnen Akteuren sein kann. Aktuell finanziert sich „Voice of San Diego“ mit einem Mix aus Beiträgen von Mitgliedern, Förderungen von Stiftungen, Geldern von Sponsoren und Honoraren aus Medien-Partnerschaften.

Jana Luck und Miguel Helm haben Scott Lewis in Hamburg drei Fragen gestellt. Hier geht es zum Interview "The shamelessness of Trump is an innovation".

Stichwort Gemeinnützigkeit

Non-Profit-Journalismus gilt in Deutschland nicht als gemeinnütziger Zweck, der in Paragraf 52 der Abgabenordnung definiert wäre. Deshalb findet sich Journalismus nur selten als Förderzweck bei Stiftungen. Stephanie Reuter, Geschäftsführerin der Rudolf Augstein Stiftung empfiehlt daher in der Stiftungsdatenbank nach gemeinnützigen Zwecken zu suchen, zu denen journalistische Projekte passen können – zum Beispiel Bildung, Umweltschutz oder Völkerverständigung.