Eindrücke des 1. Regionaltags in Münster

Lade Player

Transkription

[Sprecher] Gut informiert vor Ort? Vom Wert des Lokaljournalismus – das war das Thema einer Podiumsdiskussion im Rahmen des 1. Regionaltages der Lfm-Stiftung Vor Ort NRW. In Münster diskutierten Fachleute und Gäste über Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus. Dr. Maren Urner sieht die Zukunft im Netz. Sie gehört zum Münsteraner Gründerteam des journalistischen Online-Angebotes Perspective Daily.

[Dr. Maren Urner] „Zwei große Vorteile von Online-Medien sind unter anderem, dass ich ein Gedächtnis habe, sprich ich kann Informationen einfach langfristig zurückverfolgen – die Zeitung landet eben nach ein paar Wochen im Altpapier. Und das Zweite ist, ich kann eben auch unterschiedliche Zugänge gewährleisten, dadurch, dass ich Hintergrundinformationen zum Beispiel aufklappen kann, einklappen kann, und Quellen ganz anders transparent darstellen kann.“

[Sprecher] Wie sehen Prognosen für den Lokaljournalismus im digitalen Zeitalter aus? Welche Themen werden gesetzt? Birgt die Entwicklung ins Netz mehr Chancen als Gefahren? Die Chancen sieht Dr. Benedikt Hüffer, Verleger der Unternehmensgruppe Aschendorff, zu der in Münster die Westfälischen Nachrichten und die Münstersche Zeitung gehören. Seine Vorstellung von gutem Lokaljournalismus:

[Dr. Benedikt Hüffer] „Lokaljournalismus sollte nah bei den Menschen sein, sich um die Themen kümmern, die den Menschen auf den Nägeln brennen. Aber eben auch sich um Objektivität bemühen.“

[Sprecher] Kritisch zu Wort meldete sich auch der eine oder andere Gast während der Diskussion.

[Gast 1] „Hier ist x-mal das Wort Qualitätsjournalismus gefallen. Ist Qualitätsjournalismus der, der vom WN, vom WDR, von der Süddeutschen und von der Frankfurter kommt? Ist nur das Qualitätsjournalismus?“

[Gast 2] „Ich finde, manchmal bilden die Medien gar nicht die Stadtgesellschaft ab. Das Marktgespräch ist manchmal sogar hochwertiger als das, was ich beim Frühstück gelesen hab.“

[Sprecher] Dr. Jürgen Brautmeier, LfM-Direktor und Geschäftsführer der LfM-Stiftung Vor Ort NRW, äußerte seine Erwartungen an einen qualitativ hochwertigen Journalismus.

[Dr. Jürgen Brautmeier] „Ich erwarte, wenn ich das noch eben sagen darf, von meiner Zeitung eigentlich auf allen diesen Ebenen, lokal wie national – und im Büro habe ich auch noch international – Hintergrund, Einordnung, Analyse, Kommentar, Meinung. Denn das Aktuelle, das brauch ich morgens nicht mehr in der Zeitung. Das hab ich schon gepusht gekriegt, fast bevor ich aufgestanden bin.“

[Andrea Benstein] „Es gibt bei den Menschen die tiefe Sehnsucht danach, ich möchte, dass vor Ort noch mehrere darauf gucken, und dass es mehrere Medien sind. Und ich möchte mich an unterschiedlichen Stellen informieren. Ganz gleich, wie gut oder wie schlecht ein Medium ist.“

[Dr. Marianne Ravenstein] „Ich persönlich würde mir wünschen, dass noch häufiger unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die natürlich Expertinnen und Experten sind im Bereich der Wissenschaftskommunikation, angefragt werden.“

[Sprecher] Über mangelnde Nachfrage seitens der Lokalpresse kann sich Münsters Bürgermeister nicht beschweren. Als regelmäßiger Interviewpartner ist er quasi Medienprofi.

[Markus Lewe] „Lokaljournalismus muss sich natürlich mit den politischen Verhältnissen auseinandersetzen. Er muss aber auch Lebensgefühle umfassen. Der Lokaljournalist muss Menschen kennen, er muss auch Emotionen wahrnehmen und sie widerspiegeln können. Er muss auch ein Gespür für das Ganze haben. Also er darf sich nicht immer nur auf partielle Dinge beschränken, sondern muss versuchen, einen Bogen zum Ganzen herzustellen. Und wenn man Geschichten erzählen kann, dann ist es schön.“