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04.10.2010
Kölsch in Düsseldorf
Verleihung des 19. LfM-Hörfunkpreises im Alten Kesselhaus in Düsseldorf
 Das Publikum des 19. LfM-Hörfunkpreises
Bild: Jürgen Schulski
Zuprosten mit Kölsch in Düsseldorf – das konnten sich die beiden Moderatoren der 19. LfM-Preisverleihung im Alten Kesselhaus
wohl nur trauen, weil Radio Köln einen von sieben Hörfunkpreisen der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) gewonnen hat. Für die beste Serie –
„Radio Köln Taxigeschichten“ – übergaben Claudia Barbonus und Konstantin Klostermann ihrer Chefredakteurin eine gläserne Skulptur und einen
Scheck über 2.500 Euro. Die wird die Preise dem erkrankten Gewinner, dem Radio-Köln-Autor Felix Wende, weiterreichen. Bei der
Hörprobe gab es viele schmunzelnde Gesichter
unter den fast 200 Gästen in der ehemaligen Industriehalle. Es ging um eine argwöhnische Ehefrau, die quer auf der Taxirückbank liegend ihren
Gatten auf dessen Fahrt Richtung Geliebte verfolgte.
Schwäbisch für Fußballfans
Viele Lacher auch bei der Vorstellung der besten Comedy des Jahres. Sie kam von radio NRW, der Mantelredaktion der Lokalradios
in Nordrhein-Westfalen: Während der WM hat ein Team von radio NRW, bestehend aus Mickey Beisenherz, Katja van Lier und Philip Körting ihren
Kollegen Jürgen Bangert jeden Tag mit witzigen Fantasiegeschichten rund um Fußballbundestrainer Joachim Löw beliefert.
 Die Preisträger des radio NRW-Teams.
Bild: Jürgen Schulski
„Jogis S-WM-S“ versorgte die Hörer auf
Schwäbisch mit dem neuesten Tratsch über die National-Elf in Südafrika. Jürgen Bangert fiel auf der Düsseldorfer Bühne in diesen Dialekt zurück
und dankte der radio-NRW-Unterhaltungsredaktion für die gute Teamarbeit. Die stiefelte gemeinsam von der Bühne und später auch gemeinsam zum Buffet.
Das Preisgeld teilen sich die vier gerecht untereinander auf.
Spannung bis zum Schluss
Bei der Preisvergabe galt das Oskar-Prinzip: Eingeladen waren pro Kategorie zwei bis drei Kandidaten. Jeder hatte seinen Fanclub
aus Kollegen und Freunden an seinen Tisch mitgebracht. Die Fans waren bei der Kandidatenvorstellung deutlich hörbar. Über den Sieg gejubelt wurde
dann aber immer nur in einer Ecke des Saales.
So auch bei den Preisen für Werbespots. Eine sechsköpfige Jury hatte den besten Beitrag des vergangenen Jahres gesucht. Auf der
Bühne freute sich der Jury-Leiter Olaf Lassalle von der NEWCAST GmbH über das „sehr, sehr hohe Niveau“ der Spots. Dass 2009 das Jahr der
Wirtschaftskrise war, habe die Jury an den Einreichungen gemerkt: „Wir hatten den Fokus daher stärker auf den Stimulus des Abverkaufs gerichtet.
Es war also grundsätzlich ein wenig anders ausgerichtet als sonst“, so Lassalle.
Gewonnen haben aber nicht „Alles-muss-raus!“-Spots, sondern als beste mehrteilige
Kampagne die Werbung von Tobias Brodowy für einen
Hausnotruf des Malteser Hilfsdienstes und der Werbespot
„Scheibe mit Sprung!“ des Autoren Thomas Reese, ausgestrahlt bei Radio Oberhausen. Die Jury überzeugte dessen Wortspiel: Für eine auf
Windschutzscheiben-Wechsel spezialisierte Autowerkstatt hatte er mit einem Spruch geworben, der immer wieder neu startete – wie eine kaputte Schallplatte.
Hohe Hürden
Ein Preis wurde allerdings nicht vergeben: In der Kategorie Ratgeber/Service habe dieses Jahr keine Bewerbung die Nominierungshürden
der Hörfunkpreis-Jury geschafft, sagte deren Leiterin, die Journalistin Inge Seibel-Müller. Umso herzlicher gratulierte sie Kai Giera von Radio Vest für
einen Idealfall kommunaler Berichterstattung: Der Sieger dieser Kategorie hat in
„E.On-Kraftwerk gegen Garagendach“ gezeigt, wie
die Behörden in Datteln bei Recklinghausen mit zweierlei Maß messen. Das neue Kohlekraftwerk konnte über einen Kilometer zu nah an eine bestehende
Siedlung gebaut werden. Zeitgleich musste ein Dattelner Hausbesitzer seine neue Garage wieder abreißen, weil sie nach Bauvorschriften vier Zentimeter
zu hoch geraten war.
 Kai Giera, Radio Vest
Bild: Jürgen Schulski
Der Jury gefiel, dass der Lokalreporter bei diesem Aufregerthema angenehm unaufgeregt und sachlich geblieben ist. Mit dem Preis hat
die Jury nicht nur ein eindringliches Stück, sondern auch einen typischen Lokaljournalisten ausgewählt: Kai Giera ist seit 13 Jahren Lokalreporter
und geht für Radio Vest abends zu den Ortsvereinen und zu Ausschuss- und Ratssitzungen in die Rathäuser.
E mit U
Radio Vest stand an dem Abend noch ein zweites Mal als Sieger auf der Bühne im Alten Kesselhaus: Mit der besten Informationssendung.
Ausgerechnet für Kleist im Privatfunk. Die Ruhrfestspiele Recklinghausen hatten 2010 Heinrich von Kleist als Schwerpunktthema. Radio-Vest-Autor Ronald
Menn plauderte in Düsseldorf über die Idee, dem WDR dieses Hochkulturthema nicht kampflos zu überlassen.
 Ronald Menn, Radio Vest
Bild: Jürgen Schulski
Bei Radio Vest gab es aber keine Premierenkritiken zu hören, sondern schon vor den Aufführungen
„Kleist in 60 Sekunden“ – eine witzig-zugespitzte
Inhaltsangabe von Dramen wie „Penthesilea“, „Die Familie Schroffenstein“ oder „Robert Guiskard“. Die Hörer sollten, auch wenn ihnen diese Stücke
nichts sagten, mitreden können. „Kulturinformation mal nicht nur für die oberen Zehntausend“, sagte Ronald Menn über das preiswürdige Ziel der
Kleist-Aktion.
Konstant auf hohem Niveau
Insgesamt gab es 120 Einreichungen für den 19. LfM-Hörfunkpreis – eine seit drei Jahren gleich bleibend hohe Zahl, über die sich
Jürgen Brautmeier, der neue Direktor der Landesanstalt, freute. Er überreichte nach einer dreiviertel Stunde schon den letzten Preis, den
Sonderpreis der LfM für die „Sendung mit dem Internet“. Das ist ein crossmediales Projekt von rp-online und Antenne Düsseldorf.
 Claudia Barbonus und LfM-Direktor Jürgen Brautmeier
Bild: Jürgen Schulski
Auch die LfM hört verstärkt ins Internet, weil das Radio zunehmend dorthinein wandert. Brautmeier betonte, dass die LfM durch die
letzte Gesetzesnovelle den Auftrag habe, speziell Webradios zu fördern. So eine Preisverleihungsgala lohne sich laut Jürgen Brautmeier aus zwei
Gründen: Sie bringe zum einen den ausgezeichneten Journalisten und Werbern Anerkennung. Und: „Wir fördern damit den Wettbewerb.“
Fernsehschalte
Kurz vor Mitternacht wurde im Alten Kesselhaus der letzte Sieger des Abends gefeiert: In einer Liveschalte konnte radio-NRW-Moderator
Tobias Häusler mal das Medium wechseln und im Fernsehsender ProSieben verkünden, dass die NRW-Band “Unheilig“ mit „Unter Deiner Flagge“ uneinholbar
beim Bundesvision Song Contest auf dem ersten Platz gelandet war.
Henning Hübert

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