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14.12.2010
Radio Afrika
Afrikanische Migranten machen Radio beim Bonner Bürgerfunk.
 Stella Kallaghe und Ulrich Golinske Foto: Henning Hübert
Immer wieder leuchtet das Rotlicht auf im kleinen Hörfunkstudio des Bonner Bürgerfunks. Untergebracht ist es in einem Gründerzeithaus
ganz in der Nähe des Bonner Hauptbahnhofs. Acht Teilnehmer scharen sich um den Medientrainer Ulrich Golinske, einem Urgestein aus der Bonner
Bürgerfunk-Bewegung. Seit 25 Jahren setzt er sich dafür ein, dass Radio als Bürgermedium auch von der Bevölkerung selbst gemacht wird. Zum jüngsten
Kurs hat er Afrikanerinnen und Afrikaner eingeladen.
Sie produzieren in den Räumen des Vereins LoCom in drei Tagen „Radio Afrika aus Bonn“, eine halbstündige Magazinsendung auf Deutsch und
Kiswahili/Kisuaheli. Jeannette Franza – sie macht beim Deutsch-Afrikanischen Zentrum in Bonn mit – und Stella Kallaghe – die junge Frau stammt aus Tansania
– teilen sich die Moderation. Beide haben ein eigenes Mikrofon und wechseln sich in der Moderation in ihren Muttersprachen ab.
Es spricht sich rum
Die Themen rund um ihren Lebensalltag im Rheinland haben sich die Teilnehmer selbst gestellt: „Die Sprache allein macht noch keine
Integration“, „Bi-nationale Ehe – wo ist das Problem?“ oder „Die Hautfarbe spielt keine Rolle. Oder doch? Kleine Alltagsgeschichten.“ Unter diese Rubriken
fallen die Erzählungen der Teilnehmer. Vor allem Frauen sind gekommen. Sie haben von dem Kurs entweder von Freunden oder im Deutsch-Afrikanischen Zentrum
erfahren.
Etwas Hörfunkerfahrung
Die Schwarzafrikaner in Bonn kennen sich. „Allein aus Ostafrika sind wir hier 115 Leute“, sagt die Kursteilnehmerin Zainab Aziz Salim,
die in Mombasa aufgewachsen ist. Sie hatte schon mal einen Radioauftritt, in Kenia. „Ich habe dort einen Werbetext einer Versicherung gesprochen“, erzählt
sie bei Adventsplätzchen und Kaffee. Ihre Integrationsgeschichte für das Radiomagazin hat auch mit Essen zu tun: Es ist die Begegnung mit der europäischen
Käse-Kultur: „In meinem Land Tansania isst man keinen Käse. Es gibt nur importierten Käse zu kaufen. Ich habe in Deutschland zum ersten Mal Käse gegessen.
Meine Lieblingssorte ist Gouda. Aber bitte nicht zu stark.“

Bei LoCom, einem der ältesten Radio-Fördervereine in NRW, achtet die Belegschaft sehr darauf, dass die Redaktion aus verschiedenen Gruppen
besteht. Weit über die Hälfte der LoCom-Radiomacher hat einen Migrationshintergrund, stammt zum Beispiel aus Russland, Georgien, der Türkei oder eben aus
Afrika. Allerdings gilt die Regel: Beim gesprochenen Wort in den Sendungen muss der Deutschanteil über fünfzig Prozent liegen.
Der Klang der Sprache Kiswahili/Kisuaheli soll den Hörer in die Sendung hineinziehen. Danach wird aber das Programm auf Deutsch fortgesetzt.
Dabei steht die Verbesserung der Grammatik nicht im Vordergrund. Dem Medientrainer geht es vielmehr um die Sprechhaltung der Teilnehmer. Dass die Geschichten
locker und natürlich rüber kommen, eben gut erzählt werden.
Alltag als Radiothema
Zainab Aziz Salim kam in den Kurs, weil eine Freundin sie eingeladen hatte: „Ich finde das toll, dass sich die Leute zusammen unterhalten
und Ideen austauschen können“, sagt sie. „Wir kommen zwar aus verschiedenen Ländern. Aber hier in Deutschland sind wir eine Familie, eine Community.“ Die
Tage im Hörfunkstudio sind für sie eine gute Gelegenheit, Probleme im deutschen Alltag zu besprechen, beispielsweise Probleme mit Behörden.
Die Sendezeit für den Bürgerfunk und sein Radio-Afrika-Magazin ist begrenzt: Im Schnitt jeden dritten Samstag und montags eine Stunde ab
21 Uhr hat LoCom beim Lokalsender Radio Bonn/Rhein-Sieg zur Verfügung. Wenn alle drei Monate eine Afrika-Sendung zusammen kommt, dann ist Trainer Ulrich
Golinske zufrieden.
Eine Stimme
Den Qualifizierungskurs macht er ehrenamtlich. Ihm geht es darum, dass Afrikaner eine Stimme bekommen, die hier Wurzeln geschlagen haben.
Und die immer noch um ihrem Status kämpfen müssen. Häufiges Thema – sei es bei der Sendungsproduktion, sei es beim privaten Gespräch am Rande – sind die
mühsamen Gespräche mit den Asylabteilungen, wenn es um die Verlängerung des Aufenthaltsstatus’ geht. Zum Beispiel dann, wenn eine Ehe mit einem Deutschen
oder einer Deutschen in die Brüche gegangen ist. Und darum geht es dann natürlich auch im Magazin „Radio Afrika aus Bonn“ am Samstag, 18. Dezember, ab 21
Uhr 30 bei Radio Bonn / Rhein-Sieg.
Henning Hübert

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