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NRW Medien

04.02.2010
Radioausbildung beim Marktführer
Ein Volontariat beim NRW Lokalfunk heißt, Radiomachen von der Pieke auf zu lernen.


Andreas Kramer, Chefredakteur von Radio Kiepenkerl
© Radio Kiepenkerl

Im Rückblick auf sein Volontariat bei Radio Euskirchen sagt Wolfgang Bender heute: "Das war die Grundlage für alles." Musste er doch beim kleinsten der zurzeit 45 Lokalsender in Nordrhein-Westfalen von Anfang an fast alles machen: Da lag schon mal die Moderation oder die Programmplanung mit in seiner Verantwortung, während woanders Volontäre erst einmal für fremde Beiträge die O-Töne einfangen gehen mussten. Mittlerweile ist Bender als Regionalkorrespondent für das WDR-Studio Aachen in der Eifel unterwegs.

Aber auch fast alle Lokalsender bilden eigene Volontäre aus, oft mehrere gleichzeitig. Hier liegt der Fokus mehr auf dem lokalen Programm, entsprechend wird der journalistische Nachwuchs ausgebildet.

Nachwuchs mit Anspruch

Im Kreis Coesfeld hat man damit gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Andreas Kramer ist Chefredakteur beim dortigen Lokalsender Radio Kiepenkerl und hat gemerkt: "Guter Nachwuchs ist nicht mehr das, was er mal war. Viele Praktikanten sind fordernder geworden und wollen am liebsten in der zweiten Woche schon die Morning-Show moderieren." Dennoch hat Kramer für gute Leute immer Verwendung, vor allem, wenn sie eine gewisse Heimatverbundenheit mitbringen.

Lokale Verbundenheit ist von Vorteil

Alle drei Volontäre, die zurzeit bei Radio Kiepenkerl arbeiten, stammen aus dem Kreis Coesfeld. Außerdem waren sie vorher als Praktikanten und freie Mitarbeiter beim Sender. "So wissen wir, was unsere Leute können und ob sie für ein Volontariat in Frage kommen", erläutert Kramer.

Zurzeit wird bei Radio Kiepenkerl das Programm von vier Redakteuren nebst Chefredakteur und den drei Volontären gemacht. Das Team kommt auf sechs Stunden am Tag, ansonsten läuft auch hier das Rahmenprogramm von radio NRW. Für das Jahr 2010 ist Kramer trotz der Medienkrise leicht optimistisch: "Wir warten erst einmal ab, was das neue Jahr bringt."

Ungefähr fünfzig Kilometer entfernt arbeitet Kristof Wachsmuth als Chefredakteur bei Radio K.W. (Kreis Wesel). Er ist überzeugt: "Radio ist im Aufwind." Auch wenn es in der aktuellen Medienkrise im Moment etwas schwierig sei, rechnet er mit einer Entspannung gegen Ende 2010.

Während viele Medien generell lieber auf Freie setzen, versucht man bei Radio K.W. möglichst viele Mitarbeiter fest einzustellen. "Unsere Leute sollen in Ruhe arbeiten können, ohne sich ständig um ihre Existenz Gedanken machen zu müssen", so Wachsmuth. So gibt es neben sechseinhalb Redakteursstellen auch zwei Pauschalistenstellen, die er gerne mit Quereinsteigern ohne journalistischen Hintergrund besetzt. Wachsmuth: "Damit kriegt man auch mal eine andere Sicht der Dinge in die Redaktion."

Es gibt zwei Volontärsstellen bei Radio K.W., davon wird eine jedes Jahr besetzt, so dass hier ein Volontär von seinem Vorgänger lernen kann. Anders als bei anderen Sendern müssen bei Radio K.W. angehende Volontäre nicht unbedingt als Praktikanten oder Freie vorher für den Sender gearbeitet haben. Ein Studium sei ebenfalls keine Voraussetzung.

Nur für Akademiker

Das wiederum sieht Wachsmuths Kollegin Claudia Schall anders. Die Chefredakteurin von Radio Köln fordert von ihren Volontären in jedem Fall ein abgeschlossenes Studium. Zusammen mit der Ausbildung im Volontariat sind die Zukunftsaussichten dafür dann gut. Frei werdende Redakteursstellen werden zunächst mit "bekannten" Personen besetzt, wie zum Beispiel den ehemaligen Volontären. "Generell sind die Perspektiven im Lokalfunk gut, wenn man sich breit aufstellt", beurteilt Schall die Situation. So seien weitere Kenntnisse, zum Beispiel für das Arbeiten mit dem Internet oder in der Fotografie, hilfreich. Dies gelte genauso für die Kollegen, die schon einige Jahre im Beruf sind.


Claudia Schall, Chefredakteurin
Radio Köln
© Radio Köln

Zurzeit sind bei Radio Köln drei Volontäre in der Ausbildung, die vorher bereits ein Praktikum gemacht oder frei mitgearbeitet haben. Denn das ist eine weitere Voraussetzung für die Einstellung: "Wir schauen uns vorher schon gern an, wie teamfähig und kommunikativ jemand ist", so Claudia Schall.

Blick nach Bayern

Der Blick über NRW hinaus, beispielsweise nach Bayern, zeigt eine ganz andere Radiolandschaft: Hier existiert zum einen mit Antenne Bayern ein landesweiter privater Sender. Zum anderen bieten die mehr als 65 Lokal- und Regionalradios ein umfangreicheres eigenes Programm als in NRW und übernehmen meistens nur Nachrichten und einige Stunden Nachtprogramm vom "Content-Zulieferer" BLR. Deshalb ist sich Willi Schreiner, der erste Vorsitzende im Verband Bayerischer Lokalrundfunk, auch sicher, dass der Lokalfunk in Bayern zahlreiche Perspektiven bietet. Während die Zahl der Stellen im Großen und Ganzen gleich bleiben würde, ändern sich jedoch die Anforderungen. "Ich kenne einen Sender in München, der würde sofort drei neue Redakteure einstellen, aber die finden keine geeigneten Bewerber", klagt Schreiner. Der Radioredakteur von heute und morgen müsse sprechen, moderieren und schreiben können und am Besten während der laufenden Sendung noch in Online-Communitys aktiv sein, definiert Schreiner das Anforderungsprofil.

Auch die Sender im Freistaat bleiben von der Werbekrise nicht verschont. Es gibt zum Teil deutliche Einbußen beim Umsatz. Außerdem ist mit Antenne Bayern und mehreren anderen Sendern in den großen Städten wie München und Nürnberg die Konkurrenz größer als in NRW. So bleibt den Lokalradios in Bayern nur der Platz zwei hinter Antenne Bayern.

Timo Stoppacher

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Timo Stoppacher

Der Autor:
Timo Stoppacher, ist Diplom-Journalist (FH). Er arbeitet als wissenschaft-
licher Mitarbeiter an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin und betreut dort den Studiengang Technikjournalismus/PR. Daneben schreibt er als freier Journalist über Medien- und Technikthemen.
E-Mail: timo@stoppacher.de


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