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NRW Medien

17.05.2010
"Radio macht Schule"
Bei Radio 90,1 in Mönchengladbach dürfen Schülerinnen und Schuler ans Mikrofon.


Gudrun Gehl, Chefredakteurin Radio 90,1
Bild: Radio 90,1

Samstagnachmittag, UKW-Frequenz 90,1 in Mönchengladbach: Ungewohnte Töne im NRW-Hörfunk. Schüler aus Mönchengladbach sind mit einem Radiobeiträg zum Thema Kindesmissbrauch auf Sendung. Sie berichten sorgfältig und ernsthaft über dieses aktuelle und heikle Thema. Zu hören waren dieser und andere Beiträge der „Nachwuchsjournalisten“ im Lokalradio in NRW. So auch im März in dem Projekt „Radio macht Schule“ bei Radio 90,1 in Mönchengladbach. Der Sender strahlte insgesamt 16 Beiträge in Sondersendungen an vier Samstagen aus. Mitgemacht hatten Schülerinnen und Schüler aus Grundschulen und weiterführenden Schulen der Stadt. Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) fördert den Bürgerfunk und hier besonders die Radioprojekte in Schulen. Kinder, Jugendliche und Betreuer werden geschult und die LfM sorgt auch für die erforderliche Produktionstechnik und die Honorare der Trainer. In einem Interview mit funkfenster online zieht Gudrun Gehl, Chefredakteurin von Radio 90,1, Bilanz.

funkfenster online: Wie sind die Beiträge zustande gekommen?

Gudrun Gehl: In den Schulen gibt es Radio AGs. Die Koordination zwischen diesen Arbeitsgemeinschaften und unserem Sender hat die Radiowerkstatt Exlex in Mönchengladbach übernommen. Hier wurden die Kinder und Jugendlichen auch technisch geschult. Die Zusammenarbeit hat sehr gut geklappt. Außerdem haben wir eine Mitarbeiterin in die Schulen geschickt, die den Schülern erklärt hat, wie Radio im wirklichen Leben funktioniert. Die Kinder konnten lernen, was ein Formatradio ist, was es inhaltlich zu bedenken gilt und welche Hörfunktechnik es bei Radio 90,1 gibt.

Haben Sie alles gesendet, was Ihnen angeboten wurde?

Die Entscheidung, welcher Beitrag gesendet wurde, lag bei uns. Natürlich können wir bei Neunjährigen keine journalistischen Beiträge erwarten. Und hier und da waren auch Stücke dabei, die wir abgelehnt haben, meistens aus inhaltlichen Gründen. Eine AG hatte uns einen Beitrag über die Sommerferien angeboten, den wir natürlich während der Projektzeit im März nicht senden konnten. Die Beiträge, die wir abgelehnt haben, waren natürlich immer mit einer Begründung versehen. Und auch für die Beiträge, die wir gesendet haben, haben die Kinder und Jugendlichen eine Beurteilung bekommen. Wir waren oft überrascht, wieviel Kreativität die Kinder in ihre Beiträge gelegt haben. In einem Stück ging es zum Beispiel um Kindesmisshandlung. Die jungen Autoren sind bemerkenswert ernsthaft und vorsichtig mit diesem schwierigen Thema umgegangen.

Haben Sie in Ihrem Programm für diese Aktion Werbung gemacht?

Wir haben in mehreren Trailern, die im Programm gelaufen sind, auf unser Projekt „Radio macht Schule aufmerksam gemacht. Außerdem gab es Begleitmaterial im Internet, wo man die Beiträge auch nachhören konnte.


Bild: Radio 90,1

Welchen Zweck hat diese Aktion verfolgt?

Der Gesetzgeber hat ja im neuen Landesmediengesetz deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit gegeben werden soll, den Hörfunk kennenzulernen. Diese Projekte sollen ausdrücklich nicht nur in Bürgerfunksendungen laufen, sondern nach Absprache mit den lokalen Stationen im normalen Programm zu hören sein. Dieser Bitte der LfM wollten wir uns nicht verschließen und haben uns gerne engagiert. Positiv finde ich, dass die Redaktion bei der Auswahl der Beiträge, anders als im Bürgerfunk, das letzte Wort hatte. Ich sehe das für uns als eine Chance für mehr Bindung zu jüngeren Hörer und für Nachwuchsförderung. Diese Aktion war sehr hörernah und hat das Umfeld der Schülerinnen und Schüler involviert. Dies war für uns eine gute Gelegenheit, die Jugend ins Programm einzubinden.

Wie war die Resonanz?

Die Schüler, die sich beteiligt haben, waren begeistert. Aber darüber hinaus hätte ich ein bisschen mehr erwartet. Andere, bisher nicht beteiligte Schulen in unserem Sendegebiet haben sich bisher noch nicht an uns gewendet, um herauszufinden, wie sie mitmachen können.

Trotzdem wollen Sie die Aktion wiederholen. In welcher Form?

Vier Samstage sind eigentlich zu wenig. Und so ein Projekt muss sich ja auch erst einmal etablieren. Die Reaktionen aus den beteiligten Schulen waren so positiv, dass wir künftig gerne dreimal im Jahr „Radio macht Schule“ veranstalten wollen.

Das Interview führte Bettina Schmieding

INFOS ZUM ARTIKEL

LfM-Radioprojekte in der Schule

Ansprechpartner in der LfM:
Peter Schwarz

Radiowerkstatt Exlex


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