Studie "Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt"
Studie
"Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt" vorgestellt: Internet
wird zunehmend Bestandteil des Alltags in Deutschland - aber: Über 50 Prozent
sind offline;
Eltern begleiten die Internetnutzung der Kinder kaum
Das Internet ist auf dem Vormarsch in den Alltag vieler Bundesbürger. Die "Onliner" nutzen das Internet für zahlreiche Aktivitäten von der Kommunikation per E-Mail über die Nachrichtenrecherche bis zur Reisebuchung. Und mit der differenzierten Nutzung des Internet verändern sich auch alltägliche (Medien-)Gewohnheiten. Schon heute sehen Onliner beispielsweise weniger fern als jene, die über keinen Internetanschluss verfügen. Auch nutzen die Onliner mehrere Medien gleichzeitig. Dies gilt vor allem für die Jugendlichen. Wahr ist aber ebenso, dass diese Art von Informationsgesellschaft für über die Hälfte der Menschen in Deutschland und Nordrhein-Westfalen noch keine Realität ist. Sie bleibt offline. Die "Offliner" erklären das mit dem nicht erkennbaren persönlichen Nutzen des Internet, den zu hohen Kosten und der zu schwierigen Bedienbarkeit von Geräten und Programmen.
Die heute (28. Mai 2003) in Düsseldorf vorgestellte Studie "Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt" zeichnet erstmals ein umfassendes Bild der Internetnutzung. Sie fasst die Ergebnisse zweier repräsentativer Befragungen zur Internetnutzung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen zusammen und enthält zusätzlich als Teil einer weltweit angelegten Studie einen internationalen Vergleich.
Das Projekt wurde in Kooperation der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) mit dem Europäischen Medieninstitut (EIM) und dem Europäischen Zentrum für Medienkompetenz (ecmc) durchgeführt.
E-Mail-Nutzung führend
Die Kommunikation per E-Mail ist in Deutschland und international führend
bei der Internetnutzung. 73 Prozent der Onliner in Deutschland erhalten oder
schreiben häufig E-Mails - privat und im Beruf. Nutzer in den USA, Japan,
China oder Singapur nennen das Schreiben von E-Mail bzw. Instant Messaging ebenfalls
als zentralen Mehrwert des Internet. Allerdings: Auch ohne E-Mail klappt die
Verständigung: Nur acht Prozent der Offliner sagen, sie seien schon einmal
auf schwere Erreichbarkeit angesprochen worden, weil sie nicht über eine
E-Mail-Adresse verfügen.
Einkommensschwache und Ältere vor
allem offline
Rund 54 Prozent in Deutschland und NRW nutzen das Internet nicht. Vor dem Hintergrund,
dass die Kompetenz zum Umgang mit Computer und Internet zunehmend auf eine Stufe
gestellt wird mit den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen, gilt diese
"digitale Teilung" der Gesellschaft als problematisch. Gernot Gehrke,
Geschäftsführer des ecmc: "Das Internet verfügt nicht über
das Potenzial, schichtspezifische Ungleichheiten zu revidieren. Es verstärkt
sie im Gegenteil weiter. Um das zu ändern, müssen wir insbesondere
die Menschen mit niedrigen Bildungs- und Einkommensniveaus ansprechen, wenn
wir uns dem Leitbild vom chancengleichen und diskriminierungsfreien Zugang zu
den Anwendungspotenzialen der (Neuen) Medien weiter verpflichtet fühlen."
In NRW sind in der Gruppe derer, die über einen Hauptschulabschluss verfügen, über 70 Prozent offline. Wer nicht berufstätig ist, gehört mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1 zu den Offlinern. Auch in der Gruppe der 14- bis 19-Jährigen bleiben über 45 Prozent offline.
Internet ist kein globales Medium
Weltweit gesehen haben vor allem Menschen in Industrienationen Zugang zum Internet.
Die Tatsache, dass englischsprachige Angebote das Internet dominieren, steht
der globalen Nutzung außerdem entgegen. In der Mehrzahl der untersuchten
Länder dominiert die Nutzung von Webseiten in der landeseigenen Sprache.
In Deutschland greifen 54 Prozent der Onliner ausschließlich auf deutschsprachige
Websites zu. Wenn Onliner in Deutschland fremdsprachige Seiten nutzen, handelt
es sich in 90 Prozent der Fälle um englischsprachige. Noch ausgeprägter
ist die "lokalregionale" Nutzung des Inter-net in anderen Ländern.
In den USA, in China und in Taiwan nutzen 90 Prozent der Befragten nur Seiten
in ihrer Muttersprache.
Allein im Netz
Bundesweit gehen 60 Prozent der 14- bis 19-Jährigen online. Das Internet
ist bei den Jugendlichen neben dem Fernsehen das wichtigste Medium zur Unterhaltung;
beliebt sind vor allem E-Mail, allgemeines Websurfing, der Musik-Download und
der Besuch von Chatrooms. Aber trotz der wachsenden Bedeutung des Mediums für
die Jüngeren und der Besorgnis vieler Eltern, dass schädlicher Inhalt
Kinder und Jugendliche über das Internet ungefiltert erreicht, surfen 70
Prozent der Kinder in Deutschland unbeaufsichtigt durchs Internet.
Jo Groebel, Generaldirektor des EIM: "Zwar fordern Eltern immer wieder, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu schädlichen Inhalten bekommen sollten. Die Realität sieht allerdings dramatisch anders aus: Ungehinderter als über jedes andere Medium erreichen riskante Angebote die Haushalte, zugleich geschieht dies für die überwiegende Zahl der Familien unter Ausschluss elterlicher Kontrolle. Hier muss die gesamte Gesellschaft bei der Begleitung des intensiv genutzten Jugendmediums aktiv werden."
LfM-Direktor Norbert Schneider sagte: "Die Förderung von Medienkompetenz, eine der zentralen Aufgaben der Medienanstalten, muss nach wie vor das Ziel haben, der digitalen - übrigens auch der analogen - Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. Gleichzeitig müssen Anstrengungen unternommen werden, nationale wie auch international verbindliche Regeln für Inhalte im Internet zu entwickeln."
Germany: ten points
Die Studie liefert konkrete Empfehlungen für die Integration des Internet
in die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen in Deutschland in Form eines Zehn-Punkte-Katalogs.
Eine Zusammenfassung der Studie (mit dem Zehn-Punkte-Katalog)
ist hier abrufbar.
(PDF-Dokument
zum Download: 95 KB)
Kontakt bei Rückfragen:
Alina Kühnel (EIM), Tel. 0211
- 90104 - 79
E-Mail: kuehnel@eim.org;
Internet: http://www.eim.org
Isabel Nocker (ecmc), Tel. 02365
- 9404 - 32
E-Mail: nocker@ecmc.de
; Internet: http://www.ecmc.de
Dr. Peter Widlok, Telefon (0211)
- 7 70 07 - 1 41
E-Mail: pwidlok@lfm-nrw.de;
Internet: www.lfm-nrw.de