LfM-Presseempfang: Frage der Sportrechte und die Auswirkungen durch den angekündigten Simulcast-Betrieb stehen im Mittelpunkt;
Deutschlandradio-Intendant Elitz eröffnet Ausstellung zur Rundfunkgeschichte
Die Sportrechte im Fernsehen (Stichwort: Bundesliga) sowie die Auswirkungen der so genannten Simulcast-Vereinbarungen zwischen den großen Privatfernsehanbietern und den Kabelgesellschaften werden nach Ansicht von Norbert Schneider und Frauke Gerlach die medienpolitische Debatte in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland in diesem Jahr beherrschen. Beide äußerten sich auf dem LfM-Presseempfang der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) am 1. Februar 2006 in Düsseldorf.
Der Intendant des Deutschlandradio, Ernst Elitz, eröffnete auf dem Empfang die Ausstellung über wichtige Stationen der Rundfunkgeschichte in Deutschland.
Norbert Schneider, LfM-Direktor, skizzierte Änderungen in der Medienlandschaft,
die durch die Frage der Sportrechte im Fernsehen und der so genannten Simulcast-Vereinbarungen
zwischen der RTL Gruppe, den TV-Sendern der ProSieben Sat.1 Media AG und den
Kabelgesellschaften umrissen sind.
Mit Blick auf die Rechtefrage für die Übertragung der Bundesliga im Fernsehen sagte Schneider, auch die neuen Rechteinhaber bräuchten Lizenzen. Doch Beschlüsse über Zulassungen gebe es nicht von jetzt auf gleich. Und die neue Bundesligasaison komme schnell. "Macht sich das jeder richtig klar?", fragte er.
In den Bewegungen auf dem Medienmarkt manifestiere sich die Technologie der digitalisierbaren Signale mit all ihren neuen Effekten im Unterschied zur analogen Welt, sagte er und ergänzte: "Es zeichnet sich, wenn es nicht zu Gegensteuerungen kommt, eine Begünstigung der schon Großen ab, die noch größer werden. Darin steckt, was ich eine Erhöhung der Mediensteuer nennen möchte: Fernsehen wird in speziellen Verlaufsformen teurer, pay ist im Vormarsch. Und in allen Bewegungen sind Elemente enthalten, die auf eine völlig neue Beziehung der Massenmedien zu den Individualmedien hinauslaufen." Beim Thema Digitalisierung und Simulcast werde es Probleme geben, etwa bei der Einspeisung regionaler oder lokaler Veranstalter. Hier sei die Medienaufsicht gefordert, faire Lösungen zu moderieren.
Frauke Gerlach, die neue Vorsitzende der LfM-Medienkommission, sagte, die gesellschaftliche Medienaufsicht scheine gegenwärtig in der Defensive zu sein. Gehe es um Entscheidungen, so kämen diese meist aus Brüssel oder würden in anderen Gremien getroffen. Deshalb sei es eine der Herausforderungen, wie sich die plurale und gesellschaftliche Aufsicht, für die die Medienkommission stehe, in den Zeiten der Digitalisierung weiterentwickele, ob sie von den Folgen der Digitalisierung hinweg gefegt werde oder sich ganz neue Formen der Partizipation entwickelten.
Gerlach kündigte eine Intensivierung des Dialoges zwischen Hörfunk-
und Fernsehveranstaltern, zwischen Konsumenten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
und Kulturschaffenden und den Kommissionsmitgliedern an: "Das Handeln der
Medienkommission verstehe ich im Sinne von Governance. Damit meine ich vor allem
eine gesellschaftliche Steuerungsstruktur und -kultur.
Eine Steuerungskultur, die den gesellschaftlichen Diskurs über Medien, über ihre Wirkungen und Regulierungsnotwendigkeiten aktiv betreibt. Dabei bieten die digitalen Techniken hervorragende Kommunikationsplattformen", ergänzte Gerlach.
Ernst Elitz, Intendant des Deutschlandradio, sagte, die Ausstellung "Achtung! Hier Sendestelle Berlin..." zeige über achtzig Jahre Rundfunk und Fernsehen in Deutschland, von der ersten Sendestunde des Radios 1923 aus dem Vox-Haus in Berlin in der Nähe des Potsdamer Platzes bis zu den werbefreien Kultur- und Informationsprogrammen des Deutschlandradios.
Die Qualität der Radio- und später der Fernsehangebote sei von Anbeginn an umstritten gewesen. Aber neben Schlagern und allem möglichem "Halligalli" hätten die Medien auch immer anspruchsvolle Musik, Bildung, Kultur und politische Information geboten. "Dies wird in der über achtzigjährigen Geschichte der elektronischen Medien in Deutschland, die wir mit dieser Ausstellung an uns vorüberziehen lassen, besonders deutlich - ebenso wie die Instrumentalisierung der Medien für die totalitäre Herrschaft, für Goebbels und für die SED", so Elitz weiter.
Hinweis:
Die Ausstellung ist ab dem 2. Februar bis zum 28. April 2006 zwischen 9.30 Uhr und 15 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich.
Im Wortlaut:
Rede
von Norbert Schneider (PDF-Dokument, 15 KB)
Rede
von Frauke Gerlach (PDF-Dokument, 17 KB)
Rede
von Ernst Elitz (PDF-Dokument, 12 KB)
Fotodokumentation
Auf dem Empfang präsentierte die LfM die aktuellen Projekte klicksafe.de, handysektor.de, Trickboxx im Bürgerfernsehen und das Internet ABC sowie über Abspielstationen prämierte Beiträge des LfM-Hörfunkpreises.
Kontakt bei Rückfragen:
Dr. Peter Widlok, LfM; Telefon 0211 - 77007 141
E-Mail: pwidlok@lfm-nrw.de