25 Jahre RTL West

Grußwort zur Feierstunde am 19. Mai 2015, Köln

Text als PDF-Download

25 Jahre sind wahrlich ein guter Grund zu feiern. Deshalb als erstes herzliche Glückwünsche! Herzliche Glückwünsche an alle, die im und am Programm gearbeitet haben, in all den Jahren mit wechselnden Gesellschaftern, mit wechselnden Konzepten, mit wechselnden politischen Bedingungen. Es ist gut, dass auch die Stürme und Meuchelversuche, die es gab, erfolgreich abgewehrt werden konnten, Die Kundigen wissen, was und wen ich damit meine.

Apropos Meuchelversuche: Die Regulierung hatte nie dieses Ziel, im Gegenteil, selbst die jährlichen Regionalfensterstudien, besser bekannt als Volpers-Studien, hatten und haben einzig und allein den Sinn, die gesetzlichen Erwartungen und Auflagen durchzusetzen, nämlich darauf zu achten, dass tatsächlich regionale Inhalte aus Wirtschaft und Kultur, aus Gesellschaft und Politik im Programm stattfinden, und zwar regionale Inhalte aus dem jeweiligen Bundesland, also hier aus Nordrhein-Westfalen. Dass die Volpersstudien so lästig wirken wie eine TÜV-Prüfung, kann ich gut verstehen, aber sie haben den Programmverantwortlichen und -machern auch irgendwie als Fahrspurstabilisator gedient, um im Bild zu bleiben. Als TÜV-Prüfer, Entschuldigung, als Regulierer habe ich dieses Instrument übrigens gerne benutzt, um die anfängliche Köln-Zentriertheit, die man ja erklären konnte, ein bißchen in Richtung Westfalen umzulenken, wobei ich als Beispiel oder Probe aufs Exempel immer an Paderborn und Umgebung gedacht habe und immer wieder denke, Gott weiß warum. 

Ich freue mich, dass wir auf eine Erfolgsgeschichte anstoßen können. Die stattliche und prominente Gästeschar bei der Feier in Köln beweist, dass der Erfolg anerkannt wird, und das ist im Kern ein Verdienst der Macher, der Jouralistinnen und Journalisten, die natürlich von zahlreichen Seiten - Geschäftsführung, Gesellschaftern, Marketing, Technik, ja sogar der Juristerei dazu in die Lage versetzt werden. Denn ohne die redaktionelle Arbeit wäre das alles nichts. Deshalb "chapeau" vor dem journalistischen Ansatz, dem journalistischen Handwerk, der journalistischen Unabhängigkeit. Und natürlich ein herzliches Dankeschön an die erwähnten Unterstützer.

Wir Medienanstalten sehen eine unserer Kernaufgaben in der Sicherung der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Ohne die Regionalfenster wäre die TV-Landschaft in Deutschland ärmer, wobei es uns wehtut, dass es derartige Fenster nicht in allen Bundesländern gibt. Als überzeugter Föderalist darf ich dies hier anmerken, und auch freimütig bekennen, dass mir die Regionalfenster in den beiden großen privaten bundesweiten TV-Programmen deshalb noch mehr am Herzen liegen als die sogenannten Drittsendezeiten. Diese hatten anfangs durchaus ihren Sinn, als es noch wenige private Programme gab, aber in Zeiten der Digitalisierung und Konvergenz, das sage ich bewußt als Historiker mit starkem Hang zur Landes- und Heimatgeschichte, in Zeiten von Internet und medialer Grenzenlosigkeit schlägt mein Herz für die lokale und regionale Vielfalt und Identität. Hätte ich die Befähigung zum Richteramt, fände ich sicher auch juristisch sauber herleitbare Argumente für die Drittsendezeiten. 

Für die Stärkung des Regionalen und Lokalen hat uns der Gesetzgeber in Nordrhein-Westfalen im Übrigen neuerdings ja sogar einen expliziten Auftrag gegeben, nämlich den lokalen und regionalen Journalismus im Rundfunk und in vergleichbaren Telemedien zu fördern, was ich ausdrücklich begrüße. Die Stiftung Vielfalt und Partizipation wird sicher auch mit unseren Regionalfenstern zusammenarbeiten, ich biete dies ausdrücklich an.

Also: Wir kämpfen gemeinsam weiter für Regionales und Lokales und gegen alle Unbill und Gefahr, die uns von außen und woher auch immer droht! RTL West wird weiter erfolgreich sein, weil die Berichterstattung über regionale Inhalte weiter nachgefragt bleibt. Das werden Google und Faceboook oder wer auch immer nach ihnen kommt, so schnell nicht ändern. Verläßliche Berichterstattung und Hintergründe, Analysen und Kommentare von journalistischen Profis werden mehr denn je gebraucht. Deshalb: Ad multos annos und noch einmal herzliche Glückwünsche!

Dr. Jürgen Brautmeier