30 Jahre DLM

Tischrede des Vorsitzenden am 17. November 2015

Herzlich willkommen zur Feier des 30-jährigen Jubiläums der DLM. Am 31. Mai 1985 trafen sich in West-Berlin in der Anstalt für Kabelkommunikation, eingeladen von deren Direktor, fünf jüngere Herren, die damals einer breiteren Öffentlichkeit nicht sehr bekannt waren, was sie sich aber vorgenommen hatten zu ändern. Neben Hans Hege aus Berlin waren dies Wolfgang Thaenert aus Niedersachsen, Wolf-Dieter Ring aus Bayern, Volkram Gebel aus Schleswig-Holstein und Helmut G. Bauer aus Ludwigshafen. Ihre Titel habe ich hier verschwiegen, Direktor, Beauftragter, Leiter, ebenso wie die Namen der Anstalten, die sie repräsentierten, Zentrale, Ausschuss, Anstalt, das war alles noch so unterschiedlich etikettiert und organisiert, dass ich das hier ebenfalls weglasse. Ich freue mich aber und umso mehr, dass zwei dieser damals jüngeren Herren heute Abend, ein bisschen älter geworden, aber, wie man neudeutsch sagt, „still going strong“, hier anwesend sind. Einer ist sogar noch, wenn auch unfreiwillig, im Amt, seine Verabschiedung haben wir ja schon vor über einem Jahr gefeiert, aber das ist eine andere Geschichte.

„Konferenz der Direktoren der unabhängigen Landesanstalten für Rundfunk und neue Medien“ nannte man sich damals. Das heutige „DLM“ steckte also schon darin, und aus den fünf der Anfangszeit wurden in der Folge mehr und mehr, wobei sich nicht nur die Zahl auf die heutigen 14 erhöhte, sondern auch Direktorinnen mit an Bord gelangten, was, die Bemerkung sei erlaubt, in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung war und ist. Da ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, um im Bild zu bleiben, wann die erste Direktorin das Steuerruder des stolzen Schiffes übernimmt. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Mit dem heutigen Tag haben wir in 272 Sitzungen unter 12 Vorsitzenden versucht, die Rundfunkregulierung mehr oder weniger gemeinsam zu managen. Mehr kann und will ich über die inhaltliche Arbeit jetzt nicht sagen, denn wenn ich das anfinge, säßen wir bis Mitternacht oder länger. Vielmehr freue ich mich, dass heute Abend neun ehemalige Kollegen den Weg nach Hannover auf sich genommen haben, die ich jetzt eigentlich alle einzeln erwähnen müsste und das, was sie geleistet haben. Aber auch das will ich nicht tun, denn das hieße Eulen nach Athen tragen. Aber zu wiederholtem Male muss ich nun doch noch etwas zum Kollegen Hege sagen: Bei seiner Verabschiedung im vorigen Jahr habe ich es bedauert, dass er die 30 Jahre nicht ganz voll bekommen habe. Diese Aussage tut mir aufrichtig leid, lieber Herr Hege. Ich konnte ja nicht ahnen, wie sehr der Medienrat der mabb mein Bedauern teilen würde. Das ist erst Recht eine andere Geschichte.

Aber Sie haben, und das ist es, was ich besonders hervorheben wollte, einen Rekord aufgestellt, den wohl niemand, dafür muss man kein Prophet sein, je wird brechen können: 30 Jahre Direktor einer Medienanstalt. Ich hoffe, dass Sie bald die Freiheit erleben, auf die Sie so lange warten mussten. Sie haben sie sich wahrlich mehr als verdient. Diese Freiheit, auf die Sie warten,  spüren der Kollege Hornauer und ich auch schon ein bisschen, aber das sind sogar zwei andere Geschichten.

Jetzt müsste ich eigentlich alle anderen ehemaligen Kollegen rückblickend ausführlich würdigen, vor allem diejenigen, die die doppelte Last von Direktoren- und Vorsitzamt zu tragen hatten. Das fiele mir auch nicht schwer, denn zu würdigen gäbe es bei jedem Einzelnen durchaus genug. Jeder von Ihnen hat inhaltliche Schwerpunkte gesetzt, die noch lange nachgewirkt haben und die uns dahin gebracht haben, wo wir heute stehen. Und wir stehen meiner Meinung nach gut da. Trotz aller Kritik an Unzulänglichkeiten und föderalen Phantomschmerzen sind die Medienanstalten heute als Regulierer anerkannt und werden auch in der digitalen Welt nicht für überflüssig gehalten. Dazu haben Sie alle beigetragen, und dazu hat sicherlich auch unser deutlich verbessertes geschlossenes Handeln und die Relevanz unserer Arbeit, die stärker als früher anerkannt wird, beigetragen. Ich hoffe, der externe Blick der ehemaligen Kollegen – und auch unsere heutiger Gastes Jürgen Doetz – kann das bestätigen. Auf die Version der Geschichte bin ich gespannt

Die größere Geschlossenheit und Relevanz unserer Arbeit hat natürlich damit zu tun, dass die Direktoren und Präsidenten der Medienanstalten ganz besondere Befähigungen haben müssen, um ihren Aufgaben in ihrer Anstalt und in der Gemeinschaft gerecht werden zu können. Wer nicht weiß, wovon ich rede, der lese nach, was jemand mitbringen muss, der Direktor der LfM werden möchte. Da finden Sie sage und schreibe 78 Kriterien:

  • Außer dem einen Kriterium, dass ich für grundverkehrt halte, Sie wissen was ich meine, vermag er oder sie sich zu positionieren und abzugrenzen, ohne arrogant und oberflächlich zu wirken;
  • ist er oder sie eine Person, die auch in umstrittenen Fragen klar Stellung bezieht, aber sich dabei immer an der Sachlage orientiert;
  • ist er oder sie sensibel für die eigene Wirkung auf andere und registriert unterschwellige Signale anderer;
  • sucht und findet er oder sie tragfähige Lösungen, ohne die eigene Position aufzugeben.

Ja, wenn das nicht die exakte Beschreibung unseres Handelns und Auftretens in der DLM ist, dann weiß ich es nicht. Gerade letzteres schaffen wir ja fast in jeder Sitzung, nämlich tragfähige Lösungen zu finden, ohne die 14 eigenen Positionen aufzugeben. Das sind Geschichten, von denen mindestens eine Version nach jeder der 272 Sitzungen zu erzählen wäre.

Aber im Ernst: Nach dreißig Jahren können wir zufrieden mit dem sein, was die Medienanstalten geleistet haben. Und ich sage Medienanstalten, weil ich damit natürlich auch die Gremien einbeziehe. Zwar feiern wir heute die Direktorenkonferenz, aber ohne die Gremien und die Gremienvorsitzendenkonferenz wäre die Direktorenriege wie die sprichwörtliche Dame ohne Unterleib: Sie schwebte in der Luft und drohte abzustürzen. Und auch die Gremienvorsitzendenkonferenz kann stolz und zufrieden sein, das Lob darf ich hier äußern, denn die Stimme der gesellschaftlich relevanten Gruppen, die in den meisten Gremien vertreten sind, hat in den vergangenen Jahren an Kraft gewonnen, durch inhaltliche mutige Positionierungen und verbesserter Sichtbarkeit.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Nachfolger in zwanzig Jahren, wenn sie den 50. Geburtstag feiern, in einer anderen Medienwelt leben werden. Aber genau, wie wir seit dreißig Jahren nichts anderes tun, als den Wandel zu begleiten und mit zu gestalten, werden sie nicht davor gefeit sein, sich ständig neu orientieren und erfinden zu müssen. Ich kann nur hoffen, dass unsere Medienwelt dann noch eine vielfältige, qualitätsreiche, gesellschaftlich verantwortungsvolle und nicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Roboterjournalismus geprägte sein wird. Diese Geschichte ist noch lange nicht geschrieben.

Lassen Sie mich schließen mit einem nochmaligen Dank für ihr Kommen. Jeder der Gäste weckt in uns viele Erinnerungen. Als Historiker würde ich jetzt gerne ganz viele Zeitzeugeninterviews führen wollen. Es lohnte sich wirklich, für die Nachwelt festzuhalten, was in den dreißig Jahren alles passiert ist. Bevor es jetzt aber zu nostalgisch wird, sage ich nur: Zum Wohle und einen schönen Abend Ihnen allen!