Pressemitteilung | 15.04.2016

Entscheidungen der Medienkommission vom 15. April 2016

 

LfM fördert Bürgermedienplattform NRW

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) wird den Aufbau und Betrieb einer zentralen "Bürgermedienplattform NRW" fördern. Dies beschloss das Gremium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Werner Schwaderlapp in der Sitzung am 15. April 2016 in Düsseldorf.

Die bürgermedialen Beiträge und Produktionen aus NRW sollen durch einen übergreifenden, einheitlichen und suchmaschinenoptimierten Online-Auftritt besser wahrgenommen und aufgefunden werden. Die neue Plattform soll es Bürgern ermöglichen, sich an der Produktion von Inhalten in digitalen Medien zu beteiligen und ihnen neue Präsentationsformen eröffnen. Über eine enge Anbindung an Social Media werden zudem neue Möglichkeiten für die Teilhabe geschaffen.

Auf der Plattform sollen Beiträge aus dem Bürgerfernsehen, dem Bürgerfunk und dem Campus-Rundfunk dauerhaft abrufbar sein. Gleichzeitig wird es Bürgern durch eine umfangreiche Beratung und Unterstützung erleichtert, bürgermediale Beiträge cross- und multimedial zu präsentieren, neue Zielgruppen und die Vorteile des Internets für sich zu erschließen.

Der Vorsitzende der Medienkommission, Prof. Dr. Werner Schwaderlapp, sagte, mit der Bürgermedienplattform NRW solle die Chance zur Bürgerbeteiligung in NRW verstärkt werden: "Auch die Nutzung digitaler Verbreitungswege durch die Bürgermedien wollen wir unterstützen. Darüber hinaus erhoffen wir uns, dass Themen von Bürgern auf lokaler Ebene besser wahrgenommen werden. Dadurch erwarten wir deutlich mehr Resonanz und öffentliche Wirksamkeit der Beiträge und Produktionen."

Verantwortlich für den Aufbau wird nach der heutigen Entscheidung des LfM-Gremiums die Technische Universität Dortmund sein. Durch den langjährigen Betrieb von "nrwision", des TV-Lernsenders für NRW, und dessen Online-Portal konnte die TU Dortmund bereits Erfahrungen im Bereich der Bürgermedien sammeln.

Public Value und Qualitätssicherung beim Privatrundfunk: das Schweizer Modell

Über Aspekte der Qualitätssicherung beim schweizerischen Privatrundfunk informierte der Schweizer Wissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss die Mitglieder der Medienkommission der LfM.

Das so genannte "Schweizer Modell" koppelt bei einigen Sendern eine finanzielle Förderung an die tatsächliche Anwendung von beispielsweise publizistischen Leitbildern, Redaktionsstatuten, transparenten Ausbildungskonzepten und prozessualen Sicherungsverfahren wie Planungsprozesse, Abnahmen oder redaktionsinternen Rückmeldungen. Die Regulierungsbehörde in der Schweiz (BAKOM) wendet das Verfahren an, um private Radio- und TV-Stationen zu fördern, wenn die Sender vorab definierte redaktionelle Strukturen der Qualitätssicherung schaffen und zur Optimierung des Qualitätsmanagements auch durchsetzen.

Zwar werde Qualität in der Regel als etwas Subjektives wahrgenommen, so Wyss, doch ließen sich objektive Kriterien und Voraussetzungen definieren, die die Produktion von qualitativ hochwertigen Inhalten begünstigten und auf diese Weise zu einem "Public Value", also zu einem gesellschaftlich wünschenswerten Ergebnis führten.

Wyss betonte, dass Rundfunkregulierung sich auch mit der Frage befasst, wie kommerzielle Veranstalter dazu zu bewegen sind, besondere gesellschaftliche Erwartungen hinsichtlich publizistischer Programmqualität zu erfüllen. "In einer konvergenten Medienwelt geht es dabei mehr denn je um die Suche nach einer Balance zwischen eingeforderten Leistungen und besonderen Anreizen", sagte Wyss. "Ich bin überzeugt, dass es beim 'Schweizer Modell' auch Schnittstellen für die deutsche Medienpolitik gibt."

Wyss ist Professor für Journalistik am Institut für angewandte Medienwissenschaft (IAM) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Die Medienkommission der LfM befasst sich fortlaufend mit der Debatte um eine stärker an Anreizen orientierten Regulierung sowie dem Diskurs über Qualität von Medieninhalten. Sie lädt dazu auch externe Experten ein, zuletzt etwa Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung).

Weiterführende Links:
· Hans Leyendecker über die Rolle von Journalisten in Zeiten von "Lügenpresse"-Vorwürfen
· Ausblick auf die Arbeit der Medienkommission 2016
· Informationen zum Schweizer Modell: www.bakom.admin.ch

Medienkompetenzprojekt "Handysektor" wird fortgeführt

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) wird das Medienkompetenzprojekt "Handysektor" weiter fortführen. Einen entsprechenden Beschluss fasste heute (15. April) die Medienkommission der LfM.

Der "Handysektor" sensibilisiert jugendliche Nutzer für potenzielle Gefahren bei der Handynutzung. Im Mittelpunkt des Projekts stehen dabei jugendschutzrelevante Themen und Fragen des Daten- und Verbraucherschutzes. "Handysektor" bietet auch Eltern und Pädagogen wichtige Orientierungshilfen. Das Projekt wird getragen von der LfM und dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs).

Mit der Umsetzung des Projekts wurde erneut die mecodia GmbH betraut. Weitere Informationen unter www.handysektor.de

Zulassungen für Radio Köln und Radio Bonn/Rhein-Sieg verlängert

Nach dem Beschluss der Medienkommission der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) vom 15. April 2016 können die Lokalsender Radio Köln und Radio Bonn/Rhein-Sieg für weitere zehn Jahre auf Sendung gehen. Die Lizenzen für das Rahmenprogramm von radio NRW werden für denselben Zeitraum ebenfalls erweitert.

Zum Vormerken: Medienversammlung der LfM am 28. Juni in Köln zum Thema "Netzethik" (Programm folgt in Kürze)