Video | 19.02.2016

Hans Leyendecker zu Gast in der LfM-Medienkommission

Über die Rolle von Journalisten in Zeiten von „Lügenpresse“-Vorwürfen

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Ja, Medien sind ein Stück in der Krise. Ökonomisch, aber auch in der Gesellschaft. Andere sprechen Medien jetzt ab, dass Medien glaubwürdig berichten. Das hat es immer schon gegeben, aber nie in diesem Ausmaß wie wir es kennengelernt haben. Und tatsächlich, wenn wir draufschauen auf die letzten Jahre, hat es viele Fehler gegeben: Beispielsweise Irak-Krieg, beispielsweise Finanzkrise, andere Dinge auch. Auch die Köln-Berichterstattung fällt zum Teil darunter. Ich glaube insbesondere haben Medien den Fehler gemacht, ihre Fehler nicht zuzugeben. Journalisten müssen über ihre Fehler reden, müssen erklären, wie es dazu gekommen ist, um die, die gutwillig sind, einzufangen.

Man muss sich natürlich auch anschauen: Was sind das für Leute, die Lügenpresse sagen. Viele von denen lesen gar keine Medien, viele von denen konsumieren auch nicht den Deutschlandfunk oder das Deutschlandradio, sondern andere Sender. Aber die suchen sich im Internet ihre Wahrheit und im Internet finden sie jede Wahrheit. Der Journalist muss sortieren. Er muss Dinge einordnen können. Er findet Dinge heraus, aber er sortiert. Und es gibt sehr viele Leute, die denken, sie könnten das selbst machen. Sie kämen nie auf die Idee, wenn Sie sich einen Chirurgen anschauen, zu sagen: "Das mache ich auch, ich kann ja auch mit dem Messer umgehen", aber beim Journalisten glauben viele: "Ich kann mir ja auch das so zusammen suchen." Und man sucht das zusammen, was man in der eigenen Wahrnehmung immer schon hatte.