Pressemitteilung | 23.06.2016

Der Hass im Netz ist zum gesamtgesellschaftlichen Problem geworden:

91 % der 14- bis 24-Jährigen sahen sich bereits mit Hate Speech konfrontiert

Das Internet ist längst zu einer der wichtigsten Quellen für die Meinungsbildung geworden. Gegenwärtig ist allerdings zu beobachten, dass sich im Netz zunehmend Hetze und Diskriminierung verbreiten.

Eine aktuelle Forsa-Umfrage, die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) in Auftrag gegeben wurde, zeigt nun die große Tragweite, die Hasskommentare im Netz mittlerweile aufweisen.

So geben rund zwei Drittel aller befragten Personen an, bereits mit Hassbotschaften in sozialen Netzwerken, Internetforen oder Blogs konfrontiert worden zu sein. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen haben sogar 91 Prozent schon Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht.

Hate Speech ist damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden. Und das, obwohl die Gruppe derjenigen, die im Netz bereits schon hasserfüllte Kommentare geschrieben hat, laut den Umfragedaten lediglich ein Prozent umfasst.

Deutliche Unterschiede zeigen sich dabei, wie Menschen mit Hate Speech umgehen. Rund die Hälfte der befragten Personen gibt an, Hassbotschaften einfach zu ignorieren. Ein Drittel hat sich nach eigener Auskunft schon näher mit einem Hasskommentar beschäftigt, hat ihn gelesen, sich etwa das Profil des Verfassers angesehen oder mit anderen darüber gesprochen. Gemeldet haben einen Hasskommentar bei den entsprechenden Portalen 20 Prozent der Befragten.

In einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage wurden im Juni 2016 insgesamt 2.044 Bundesbürger ab 14 Jahren online befragt.

Um ausführlich über die gesellschaftlichen Folgen von Hate Speech und entsprechende Gegenstrategien zu diskutieren, stellt die LfM ihre diesjährige Medienversammlung unter das Thema "Von Meinungsmachern und Meinungsmacht im Internet - Welche digitale Ethik brauchen Mensch und Maschine?". Neben Hate Speech wird am 28.06. im Kölner KOMED der Einfluss von Algorithmen problematisiert, die diese auf die Informationssuche und die Meinungsbildung von Personen haben können. Mit interessierten Bürgern diskutieren als Gäste unter anderem

  • Sabine Frank (Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e. V. (FSM) und Leiterin Jugendschutz und Medienkompetenz, Google Germany GmbH)
  • Prof. Dr. Petra Grimm (Leiterin des Instituts für Digitale Ethik (IDE), Hochschule der Medien Stuttgart)
  • Dr. Niklas Haberkamm LL.M. oec. (Medienrechtsexperte, Kanzlei Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum Rechtsanwälte, Köln)
  • Pascal Jürgens M.A. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Publizistik, Universität Mainz)
  • Dr. Jürgen Brautmeier (Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM))
  • Prof. Dr. Werner Schwaderlapp (Vorsitzender der LfM-Medienkommission)

Weitere Ergebnisse der Forsa-Umfrage und Informationen zur LfM-Medienversammlung 2016 erhalten Sie hier.