Pressemitteilung | 28.06.2016

Was für ein Netz wollen wir eigentlich?

Breiter gesellschaftlicher Dialog auf der LfM-Medienversammlung 2016 zum Thema „Meinungsmacht und Meinungsmacher im Netz“

Materialien zur Medienversammlung, wie Fotos, Video-Statements, Forsa-Daten etc. finden Sie hier.

Unser Alltag ist zunehmend digitalisiert. Mitunter haben die Algorithmen von Google, Facebook & Co. erheblichen Einfluss auf die Informationssuche und die Meinungsbildung. Daneben zeigen problematische Entwicklungen wie Hate Speech im Netz immer stärker, dass auch die Handlungen Einzelner weitreichende Folgen für viele haben können.

Auf der Medienversammlung 2016 der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) heute (28. Juni) in Köln erörtern Vertreter aus Wissenschaft, Online-Wirtschaft, Recht, Medien und Politik Fragen der Online-Kommunikation und diskutieren ihre Positionen mit interessierten Bürgern.

Zur Eröffnung der Veranstaltung im Kölner KOMED plädierte der Vorsitzende der LfM-Medienkommission, Prof. Dr. Werner Schwaderlapp, dafür, in die Suche nach Lösungen möglichst viele gesellschaftlichen Gruppen miteinzubeziehen: „Die Grundfrage sollte für uns alle lauten: Was für ein Internet und welche Umgangsweisen darin wollen wir als Gesellschaft? Wie formulieren wir eine digitale Ethik für Mensch und Maschine? Die Medienversammlung als gesellschaftliche Diskussionsplattform will Diskurse anregen und Möglichkeiten der Mitgestaltung bieten. “

Forsa-Umfrage zu Suchmaschinen und Hate Speech

Die gesellschaftliche Tragweite der Themen zeigen auch die Ergebnisse einer von der LfM in Auftrag gegebenen aktuellen Forsa-Umfrage. Danach sind 69 Prozent der Befragten der Meinung, dass "wenn der Besitzer einer Website Google dafür bezahlt, seine Inhalte immer ganz vorne in den Trefferlisten angezeigt werden."

Auch dieses Ergebnis ist bemerkenswert: Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) glaubt, dass bestimmte Suchergebnisse nicht mehr auftauchen, "wenn die Regierung eines Landes Google dazu auffordert". Aber trotz einer solchen Erwartung und Vermutung googelt fast jeder.

In einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage wurden im Juni 2016 insgesamt 2.044 Bundesbürger ab 14 Jahren online befragt.

Ein weiterer Befund der Forsa-Umfrage betrifft hate Speech und zeigt, dass "Hass im Netz" mittlerweile zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden ist: Über 90 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sahen sich bereits mit Hasskommentaren im Netz konfrontiert. In der Gesamtbevölkerung sind zwei Drittel der Befragten schon einmal mit Hassbotschaften in Berührung geraten.

LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier nahm dieses Ergebnis zum Anlass, auch die Verantwortung des Einzelnen im Netz zu betonen: „Durch das Internet sind die Möglichkeiten, sich öffentlich zu äußern, so groß wie noch nie. Neben den Chancen, die das mit sich bringt, erwächst für jeden einzelnen Bürger aber auch die Pflicht, zu einem respektvollen Miteinander im Netz beizutragen.“

Auf der Medienversammlung der LfM diskutieren unter anderem

  • Sabine Frank (Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter e. V. (FSM) und Leiterin Jugendschutz und Medienkompetenz, Google Germany GmbH)
  • Prof. Dr. Petra Grimm (Leiterin des Instituts für Digitale Ethik (IDE), Hochschule der Medien Stuttgart)
  • Dr. Niklas Haberkamm LL.M. oec (Medienrechtsexperte, Kanzlei Lampmann, Haberkammm & Rosenbaum Rechtsanwälte, Köln)
  • Pascal Jürgens M.A. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Publizistik, Universität Mainz)
  • Dr. Jürgen Brautmeier (Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM))
  • Prof. Dr. Werner Schwaderlapp (Vorsitzender der LfM-Medienkommission)

Weitere Informationen zur Medienversammlung 2016 und zur Forsa-Umfrage erhalten Sie hier.

Hinweis:
In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW e. V. und dem LVR-Landesjugendamt veranstaltet die LfM am 1. Juli 2016 eine Fachtagung mit dem Titel „Hate Speech - Hass im Netz“. Mit ihrem Programm richtet sie sich an Fachkräfte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit und bietet Anregungen für die praktische Arbeit.

Zum Appell der LfM gegen Diskriminierung und Hetze im Internet #HateSpeech.