Pressemitteilung | 02.10.2017

Interkulturelle Elternarbeit im Bereich Medienkompetenz

Neue klicksafe-Publikation

Wie kann man Eltern mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere auch muslimische Eltern, gezielter ansprechen und für das Thema „Medienkompetenz“ sensibilisieren? Dieser Frage widmet sich die neue klicksafe-Handreichung „Elternarbeit und Medienkompetenz für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“. Vorgestellt wurde die Publikation bei einem Pressetermin in der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) mit der NRW-Staatssekretärin für Integration Serap Güler und dem LfM-Direktor Dr. Tobias Schmid. In NRW hat jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund. Bei Kindern von drei bis sechs Jahren sind es sogar 40 Prozent.

Medienerziehung spielt in der Schule eine zunehmend große Rolle. Auch medienpädagogische Informationsangebote bei Elternabenden erfahren großen Zulauf – mit einer Ausnahme: Eltern mit Zuwanderungsgeschichte werden nach Erfahrung von Referenten über klassische medienpädagogische Elternabende in vielen Fällen nicht erreicht. Diesem Thema widmet sich die EU-Initiative klicksafe in einer neuen Handreichung für Referenten und Pädagogen: Die knapp 100-seitige Publikation dient als konkrete Arbeitshilfe für die medienpädagogische Elternarbeit mit Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Darin sind zahlreiche Empfehlungen, Praxistipps und Kopiervorlagen in verschiedenen Sprachen zusammengestellt, die helfen sollen, möglichst alle Eltern willkommen heißen zu können.

© Uwe Voelkner / Fotoagentur FOX

4,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Nordrhein-Westfalen – mehr als in jedem anderen Bundesland (Quelle: Land NRW, 2016). Viele von ihnen kommen aus einem anderen Kulturkreis. Die vielfältigen Möglichkeiten und Herausforderungen im Umgang mit neuen Medien betreffen aber alle Familien gleichermaßen. Umso wichtiger ist der Austausch zwischen Eltern und Pädagogen zu diesem Thema.

Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen: „Ich begrüße es sehr, dass Eltern mit Einwanderungsgeschichte bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder unterstützt werden. Medien können gerade bei Neuzuwanderern eine Schlüsselfunktion in dem Prozess der sozialen und kulturellen Integration spielen. Man muss sie aber `entschlüsseln´ können - also über Medienkompetenz verfügen. Gleichzeitig bilden in vielen Familien auch die Medien der Herkunftsländer eine bedeutende Rolle. Das erweitert sogar noch den Anspruch an die Medienkompetenz der Erziehungsverantwortlichen. Deshalb danke ich klicksafe und der LfM, dass sie sich für interkulturelle Elternarbeit im Bereich der Medienkompetenz stark macht.“

Dr. Tobias Schmid, Direkter der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM):  „Uns ist es wichtig, Informationsmaterialien zu entwickeln, die zielgruppennah und praxisorientiert sind. Die neue Handreichung setzt genau da an: In der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Pädagogen und Eltern mit Migrationshintergrund, um den kompetenten Umgang mit neuen Medien bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.“

In der klicksafe-Handreichung „Elternarbeit und Medienkompetenz für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ wird auch die Frage gestellt, warum Eltern mit Zuwanderungsgeschichte über „klassische“ medienpädagogische Elternabende in vielen Fällen nicht erreicht werden können. Hierauf aufbauend, werden Alternativen und Möglichkeiten beschrieben, mit denen Pädagogen und Referenten möglichst alle Eltern willkommen heißen können. So soll ein Einblick gegeben werden in den fairen Umgang mit Vielfalt in der Elternschaft und in der Erziehungszusammenarbeit. Zeitgutscheine und Informationen zur Alterskennzeichnung (siehe USK und PEGI-Kennzeichen) und den Spieleratgebern sowie zu Cyber-Mobbing in verschiedenen Sprachen, exemplarische Abläufe und weitere Vorlagen für die praktische Medienarbeit runden die Handreichung ab. Die Publikation kann auf der klicksafe- und LfM-Homepage bestellt und / oder heruntergeladen werden.

Das Material ist entstanden in einer Kooperation mit der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und der Initiative Eltern+Medien.

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Transkription

[Frage] Warum werden medienpädagogische Angebote von Eltern mit Migrationshintergrund weniger in Anspruch genommen?

[Antwort Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen] Ich glaube das hat viel mit sprachlichen Hürden zu tun, dass Eltern mit Migrationsgeschichte Angst haben vor solchen Informationen, weil sie die Befürchtung haben, dass sie es einfach nicht verstehen können.

Und deshalb finde ich es sehr sehr gut, dass die Initiative klicksafe an diese Eltern jetzt auch in der Muttersprache herantritt, um da eine wirklich sehr sehr große Hürde abzubauen.    

[Frage] Wie wichtig ist es, mit Materialien wie der klicksafe-Handreichung für Pädagogen, individuell auf Bedürfnisse von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einzugehen?

[Antwort] Es ist wichtig. Solche Handreichungen sind wichtig, um auch an Eltern ranzukommen, die man ansonsten vielleicht nicht erreichen würde. Sei es über die Muttersprache, sei es aber auch über niedrigschwellige Angebote, über Angebote von Lehrkräften, die die Eltern nicht nur in der Herkunftssprache ansprechen, sondern auch so ansprechen, dass sie keine Hemmungen haben auch zu Informationsveranstaltungen zu kommen. Ich habe mir die Handreichung gerade auch angeschaut, sie ist sehr niedrigschwellig angesetzt. Sie ist eine Art Workbook so zu sagen, wo viele Eltern auch selbst darin arbeiten können und ich glaube genau so ist der richtige Ansatz, um so Familien zu erreichen, die man ansonsten vielleicht nicht erreichen würde.

[Frage] Hasskommentare in digitalen Medien sind weit verbreitet. Was bedeutet das für die Medienerziehung und wie kann man dem entgegenwirken?

[Antwort] Indem man stärker sensibilisiert, indem man das wirklich stärker auf die Agenda setzt. Gut, wir haben in letzter Zeit alle über Medienkompetenz gesprochen aber was genau dahintersteckt ist glaube ich für viele Familien immer noch ein Phänomen. Es ist eben nicht der richtige Umgang mit einem Tablet oder mit einem Smartphone, sondern eben auch die richtige Bewegung im Internet und ich glaube das ist eben für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln und dass dort Initiativen wie klicksafe greifen und sich stark einsetzten, ist glaube ich erstmal der erste Schritt.

Der zweite ist das Thema Sensibilisierung, wie erreiche ich diese Familien? Wir mache ich darauf aufmerksam, dass das Kind, wenn es vor dem Computer sitzt, sich eben nicht in einem geschützten Raum befindet. Die Eltern sehen es nur im Kinderzimmer; was soll denn da passieren? - Dass da gerade auch vieles passieren kann, ich glaube das ist sehr sehr wichtig, dass man da die Eltern sensibilisiert.

 

 

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Transkription

[Frage] Warum werden medienpädagogische Angebote von Eltern mit Migrationshintergrund weniger in Anspruch genommen?

[Antwort Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen LfM] Ich glaube, weil es uns noch nicht hinreichend gelungen ist, Eltern mit Migrationsgeschichte diese Angebote sozusagen zugänglich zu machen. Das Problem ist nicht, dass es die Angebote nicht gibt. Die Angebote gibt es, die gibt es auch in unterschiedlichen Sprachen und das schon seit längerem. Aber Eltern mit Migrationsgeschichte tun sich oft schwerer zum Beispiel zu Elternabenden zu gehen und sich diesen Diskussionen zu stellen. Aus unterschiedlichen Gründen und das könnte einer der Gründe sein, so jedenfalls unsere Vermutung und deswegen haben wir diese Handreichung entwickelt.

[Frage] Wie wichtig ist es, mit Materialien wie der klicksafe-Handreichung für Pädagogen, individuell auf Bedürfnisse von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einzugehen?

[Antwort] Naja, es ist wichtig auf jede Gruppe einzugehen. Das ist ja nicht nur eine Frage von Menschen mit Migrationshintergrund aber Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat die Bevölkerungsstruktur, die es hat und selbstverständlich haben wir eine relativ große Gruppe, die einen Migrationshintergrund hat. Nicht nur Nordrhein-Westfalen, aber auch und natürlich ist es unsere Aufgabe auch diese Gruppen zu erreichen, denn auch hier bestehen die Gefahren für Kinder und Jugendliche und auch hier müssen die Eltern sensibilisiert werden, dass solche Gefahren bestehen können, wenn ihre Kinder im Netz oder in modernen Medien unterwegs sind und deswegen finde ich es ganz naheliegend, dass wir uns natürlich auch um diese Gruppierung kümmern.

[Frage] Hasskommentare in digitalen Medien sind weit verbreitet. Was bedeutet das für die Medienerziehung und wie kann man dem entgegenwirken?

[Antwort] In erster Linie glaube ich geht es in der Medienerziehung darum, dass man sozusagen die Handhabung seines Medienzugangs selbstbewusst und verständig begeht. Verständig ist jetzt vielleicht ein unglückliches Wort, aber das derjenige der in die Medien geht weiß, dass die Gefahren bestehen und dass er es einordnen kann. Und im zweiten Schritt dann auch weiß was er tun soll, wenn er beispielsweise mit Hasskommentaren konfrontiert wird oder, was Jugendlichen und Schülern öfter passiert, mit Cybermobbing. Wer sind die Ansprechpartner? Wie handle ich? Oder nehmen Sie das Thema der Erpressbarkeit im Netz, wenn man nicht weiß wie man mit Fotos und Informationen umgeht, dass man einfach sensibilisiert ist.

Also bei all diesen Themen geht es darum, dass man Medien, die eine tolle Chance sind, nutzt und viel nutzt und das man das auch so zu sagen zu seinem positiven nutzt, aber das setzt immer voraus, dass ich zumindest weiß wo die Gefahren sind und wenn ich das weiß, dann ist die Chance natürlich all dieser Medien sehr viel größer als das Risiko aber die Vermittlung dieser Risiken, das ist eine der zentralen Aufgaben unserer Einrichtung und der Initiative klicksafe.

klicksafe ist eine Initiative im CEF Telecom Programm der Europäischen Union für mehr Sicherheit im Internet. klicksafe wird gemeinsam von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz (Koordination) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) umgesetzt.

klicksafe ist Teil des Verbundes der deutschen Partner im CEF Telecom Programm der Europäischen Union, Safer Internet DE. Diesem gehören neben klicksafe die Internet-Hotlines internet-beschwerdestelle.de (durchgeführt von eco und FSM) und jugendschutz.net sowie die Nummer gegen Kummer (Helpline) an.

Nähere Informationen

Landesanstalt für Medien NRW (LfM)
Dr. Peter Widlok
Tel.: 0211 – 77 007-141
pwidlok@lfm-nrw.de

Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz
Dr. Joachim Kind
Tel.: 0621 - 5202-206
kind@lmk-online.de