Impressionen der Verleihung der 17. Karlsmedaille an Rolf-Dieter Krause

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Transkription

Die Karlsmedaille für europäische Medien geht in diesem Jahr an Rolf-Dieter Krause. Bei der Verleihung im Aachener Rathaus am 18. Mai würdigte das Kuratorium seine Verdienste als Journalist und Korrespondent in Brüssel.

[Marcel Philipp]
Europäische Politik ist fürchterlich kompliziert. Und wenn jemand über so lange Zeit die Aufgaben des Erklärers wahrgenommen hat, uns zu vermitteln, was da eigentlich in Brüssel und Straßburg passiert,das auf eine sehr tiefgründige Weise, und zugleich auch in einer Sprache, die die Menschen verstehen, dann ist es der richtige Preisträger für einen Preis der Medien.

[Michael Kayser]
Wir haben dieses Jahr im Jahr des Brexits natürlich unheimliche Verwerfungen in Europa und auch alle Wahlen, und da bot es sich an, mal wieder, nachdem wir ja aus allen anderen Genres Preisträger hatten, jemanden aus der Presse zu nehmen. Und nun ist der Herr Krause aus seinem Dienst in Brüssel, den er für uns alle so viele Jahre gemacht hat, ausgeschieden. Und deswegen wollten wir einen auszeichnen, der für Europa spricht.

Europa – dieser Verbund, der sich auch immer wieder Kritik ausgesetzt sieht, und dessen Themen verständlich gemacht werden müssen. Eine Aufgabe, für die Rolf-Dieter Krause viele Jahre seiner beruflichen Laufbahn aufgewendet hat. Von 2001 bis 2016 war er Leiter des Brüsseler ARD-Studios.

[Dr. Jürgen Linden]
Rolf-Dieter Krause ist jemand, der wie kaum ein anderer den Menschen Europa erklärt hat, der Insider in jeder Hinsicht war, der unglaublich gut vernetzt gewesen ist in Brüssel, und der sozusagen Schritt für Schritt durch den abendlichen Gang in die Wohnzimmer zum Gesicht für Europa geworden ist. Und wir brauchen solche Gesichter, um Europa in positiver Weise zu verbreiten.

Der Preisträger selbst, der im vergangenen Jahr auch das Bundesverdienstkreuz bekommen hat, gibt sich indessen bescheiden.

[Rolf-Dieter Krause]
Es gibt in Brüssel wirklich viele Kollegen, die hervorragende Arbeit machen. Die sind vielleicht nicht so bekannt, weil sie vielleicht für die Zeitung arbeiten, nicht fürs Fernsehen, aber von denen habe ich ganz oft profitiert. Ich habe in meinem Studio eine ganz großartige Mannschaft gehabt, die mich immer getragen hat, und auf die ich mich stützen konnte. Und dann, also, sie freuen sich einerseits, und andererseits fragen sie sich dann: Meinen die wirklich mich? Wahrscheinlich werden die sagen: Ja. Aber es hat auch ein bisschen was Unwirkliches.

Aber die Auszeichnung mit dem Preis ist tatsächlich real. Die Laudatio auf den Preisträger hielt Politiker Elmar Brok, seit 1980 ununterbrochen im EU-Parlament, und damit dessen dienstältestes Mitglied.

[Elmar Brok]
Rolf-Dieter Krause ist der journalistische Begleiter des wichtigsten Teils meiner eigenen journalistischen Karriere. Er war da immer Kritiker. Er hat dafür gesorgt, dass man auch sich selbst kontrollierte. Er wurde damit in seiner Funktion, Kontrollorgan zu sein, vierte Gewalt gegenüber Politik. Aber gleichzeitig war er auch Antreiber. War jemand, der vernünftige Ideen Europa an die Bürger mitteilte.

Und auch, wenn in den Interviews und Reden in der Vergangenheitsform gesprochen wird und Rolf-Dieter Krause jetzt offiziell im TV-Ruhestand ist: Er wird nicht ganz von der Bildfläche verschwinden, befasst sich weiter mit Europa. Heute wird er vor allem als Redner gebucht, wobei er – anders als im Fernsehen – das Publikum jetzt auch sieht und mit ihm im Anschluss an seine Vorträge diskutieren kann.

[Rolf-Dieter Krause]
Also Ruhe hab ich eigentlich sehr wenig. Aber es ist völlig anders als vorher. Ich habe immer gedacht, wenn du in Rente gehst, musst du das so ansehen wie einen neuen Job. Und genauso ist es geworden.