LfM-Chef Brautmeier: Medienstiftung nimmt keinen Einfluss auf Inhalte

Die Landesregierung bringt eine Stiftung auf den Weg, die Lokaljournalismus fördern soll. Staatsinterventionismus befürchten die einen, auf neue Ideen und Vernetzung hoffen die anderen.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die geplante NRW-Medienstiftung wird nach Aussage der Landesanstalt für Medien LfM keinen Einfluss auf journalistische Inhalte nehmen. "Das werden wir mit Sicherheit nicht machen, dafür stehen wir nicht zur Verfügung", sagte LfM-Direktor Jürgen Brautmeier am Dienstag bei der Medienversammlung in Düsseldorf. Die Stiftung zur Förderung des Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen ist im Landesmediengesetz vorgesehen, das an diesem Mittwoch im Landtag beraten wird.

Sie soll bei der LfM angesiedelt werden, einen Jahresetat von 1,6 Millionen Euro haben und aus dem Rundfunkbeitrag finanziert werden.

Kritiker befürchten, die Landesregierung könnte mit Hilfe der Stiftung Lokalberichterstattung inhaltlich steuern. Werner Schwaderlapp, Vorsitzender der LfM-Medienkommission, versicherte, die Stiftung werde staatsfern sein, damit die Freiräume, die der unabhängige Journalismus benötige, erhalten blieben.

Klaus Liedtke vom Verein "investigate!", der Recherchestipendien vergibt, sagte, seine Geldgeber könnten keinen Einfluss auf journalistische Entscheidungen nehmen. Das sei durch Verträge ausgeschlossen. "Wir haben mit diesem System gute Erfahrungen gemacht, und ich denke auch, dass man das sogar mit staatlicher Finanzierung hinkriegen würde." Es müsse aber klar sein, dass das Geld nicht missbraucht werde, um bestimmte politische Richtungen zu fördern.

Auf Unabhängigkeit von öffentlicher Förderung setzen alternative journalistische Modelle wie "Correctiv" und "Krautreporter". Christian Fahrenbach vom gerade gegründeten Online-Magazin "Krautreporter" warnte davor, den Nutzern vorschreiben zu wollen, wofür sie sich zu interessieren haben: "Ich glaube, das Daraufhören, was der Leser möchte, kommt zu kurz, weil wir von unserer traditionellen Rolle her noch denken 'wir erklären dir das mal, und du musst das wichtig finden'."

David Schraven, bislang investigativer Reporter bei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", geht gerade mit dem gemeinnützigen Recherchebüro "Correctiv" an den Start, das von der Brost-Stiftung gefördert wird. Das Publikum sei heute stark differenziert und wolle in unterschiedlichen Bereichen sehr viel wissen. Wie in der Musik nicht mehr ganze Alben, sondern einzelne Titel gekauft würden, gebe es auch im Journalismus Kunden für einzelne Artikel: "Es kommt darauf an, dass man für die einzelne Geschichte so viel Qualität auf den Teller bringt, dass die Leute bereit sind, für diese Geschichte dann tatsächlich etwas zu zahlen."

Der Verleger Christian DuMont Schütte vom Medienhaus M. DuMont Schauberg (unter anderem "Kölner Stadt-Anzeiger", "Mitteldeutsche Zeitung") sagte, neue journalistische Initiativen seien angesichts rückläufiger Auflagen und einbrechender Anzeigenerlöse auch für die etablierten Medien interessant: "Kein Verlag weltweit - weder Zeitschriften- noch Zeitungsverlag - hat derzeit eine Lösung. Wir experimentieren alle."


Autor: Jürgen Hein, dpa

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