Izabela Koza

Statement zur Medienversammlung 2016

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Transkription

[Frage] Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Redaktion mit Hate Speech gemacht?

[Antwort Izabela Koza] Die Erfahrungen, die wir bei uns in der Redaktion gemacht haben, sind sehr unterschiedlich. Wir haben sehr viel schlimme Hate Speech, wenn man das so sagen darf. Wir haben zum einen die Flüchtlingsproblematik und die Silvester-Übergriffe, die uns sehr schwer zu schaffen gemacht haben eine Zeit lang. So dass sehr viel gehetzt wurde gegen Flüchtlinge, gegen Ausländer, gegen Migranten.

Zum anderen findet sich das aber auch in ganz anderen Bereichen wie Tierquälerei. Also, wenn wir einen Fall einer Tierquälerei wie bei einer Katze z. B. hatten, die gequält wurde, dann wird da sehr schnell zur Selbstjustiz aufgerufen. Man sollte diese Person auch quälen, man sollte diese Person auch töten, man sollte dieser Person auch die Augen zukleben, wie man das mit dieser Katze gemacht hat.

[F] Bleibt es bei Äußerungen im Netz, oder wird diese Grenze auch überschritten?


[A] Leider wird diese Grenze auch überschritten. Ich hatte auch schon eine empörte Leserin am Telefon, die sich beschwert hat, warum ich ihren Kommentar gelöscht habe. Und die hat mich dann angebrüllt und die Geschichte ging dann auch noch weiter auch über die Chefredaktion. Und irgendwann endete die Geschichte dann damit, dass sie am Telefon so emotional wird – da ging es dann auch um Flüchtlinge, die in den Hungerstreik getreten sind – dass sie dann sich nicht mehr zurückhalten kann und einfach schreien muss und wir das versucht haben dann über den E-Mail-Weg zu klären. Und das hat dann auch funktioniert. Aber es passiert dann auch, dass wir persönlich dann angerufen werden. 

[F] Ist der Umgang mit dem Thema Hate Speech für Journalisten eine besondere Herausforderung?

[A] Ich für mich nehme die Verantwortung so mit, dass ich eigentlich froh bin bei dieser ganzen Hetze im Internet, was tun zu können, dass ich da eingreifen kann, dass ich regulieren kann, dass ich Hasskommentare löschen kann. Ich glaube, ich würde mich viel hilfloser fühlen, wenn ich das nicht könnte. Wenn ich das einfach auf anderen Medien nur lesen würde und denken würde, was machst Du jetzt. Denn dagegen anschreiben hilft ja oft nichts, wie man sieht. Man sieht ja die ganzen Diskussionen. Die gehen ja ins Unermessliche. Es gibt immer die Pro- und Contra-Seiten, die sich gegenseitig anschreien. Und ich finde, die Verantwortung bei Journalisten im Netz ist zum Teil aufzuklären. Also, ich habe des Öfteren auch schon geschrieben: "Setzt Euch doch bitte einmal mit dem Begriff Meinungsfreiheit auseinander", wenn mir dann gesagt wurde: "Das ist hier Meinungsfreiheit und ich darf hier bei Euch schreiben, was ich will." Ja, einfach auch einmal darauf hinzuweisen, dass es nun mal nicht immer so ist.
Und was auch passiert ist, dass uns Lügen vorgeworfen werden. Uns wird also gesagt: "Ihr berichtet jetzt darüber, aber ihr habt über dieses andere Thema gar nicht berichtet." Und da ist es ja ganz einfach, darauf zu reagieren. Man schickt einfach den Link und sagt, dass vor drei Tagen darüber berichtet wurde und bittet um keine weiteren Unterstellungen und dann sind die auch recht schnell wieder leise.

[F] Wann greifen Sie persönlich ein?

[A] Ich greife ein in Diskussionen, wenn die Leute sich gegenseitig persönlich beleidigen und wenn das Ganze absolut nichts mehr mit der Diskussion zu tun hat. Ich greife ein, wenn getrollt wird, wenn unsere Seite also als Katalysator benutzt wird für Hassreden, für Parolen, dann greife ich ein. Dann verberge ich oder lösche zum Teil auch. Und ich weise auch darauf hin und sperre zum Teil auch. In unser Netiquette steht auch, dass wir auch teilweise sperren, das machen wir dann auch und die Nutzer können sich dann ans uns wenden und dann entsperren wir auch wieder.