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Transkription

"Fast News - Fake News: Keine Zeit für die Wahrheit?" ist das Thema der diesjährigen LfM-Medienversammlung.
Rund 150 Gäste setzten sich in Vorträgen, Interviews und Diskussionen mit verfälschten Nachrichten auseinander.
Das Thema wurde aus der Perspektive der Medienmacher einerseits  und auch der Mediennutzer anderseits  betrachtet. Einen Einblick in die Arbeit eines Nachrichtensenders auf Seiten der Macher gibt uns die n-tv-Chefredakteurin Sonja Schwetje:

[Schwetje im O-Ton] "Schnelligkeit spielt eine Rolle. Wir sind ein Nachrichtensender und Gründlichkeit ist das Wichtigste Asset was wir haben für unsere Glaubwürdigkeit. Natürlich können Fehler passieren. Da muss man dann transparent mit umgehen und man muss auf jeden Fall in einer laufenden Situation sagen: "Wir können jetzt noch der Weisheit letzter Schluss berichten. Das kann niemand. Das ist eine unübersichtliche Situation. Wir sind gerade dabei mit den Behörden zu klären was passiert ist." Wir tun das mit Leuten, die gut ausgebildet sind, mit Leuten, die vor Ort sind und wir werden das mit unseren Experten besprechen. Was spricht dafür, dass es ein Fakt ist und was spricht auch dagegen."

Ursula Trischler von wafana ist Expertin für Recherche. Die Verifikation von Nachrichten ist das Thema der Nachrichtenagentur wafana. wafana steht für Wahrheit, Fakten und Nachrichten. Damit sich Journalisten den aktuellen Herausforderungen besser stellen können, bietet sie spezielle Weiterbildungen an. Es sei wichtig, dass Journalisten die richtigen Werkzeuge kennen, um Fake News zu entlarven.

[Trischler im O-Ton] "Mich beunruhigt die Tatsache, dass es immer noch ganz viele Menschen in Deutschland gibt, die sich der Problematik nicht bewusst sind und die gar nicht verstehen, dass wenn sie online einen Artikel lesen, der gar nicht unbedingt von seriösen Journalisten geschrieben ist, die das ganze recherchiert haben, sondern das da oft andere Interessen dahinter stehen. Sei es damit Geld zu verdienen, besonders viele Klicks zu generieren oder weil man eine politische Meinung hat, die man unbedingt reindrücken möchte, die aber mit der Realität und dem tatsächlichen Ereignis nicht viel zu tun hat."

Die aktuelle LfM-Studie zum Thema Falschmeldungen hat Dr. Meike Isenberg vorgestellt. Mehr als die Hälfte der deutschen Onlinenutzer ist mit Fake News bereits in Berührung gekommen.

[[Isenberg im O-Ton] "Was mich sehr überrascht hat ist, dass anders als die Erwachsenen die Gruppe der 14 bis 24 Jährigen überdurchschnittlich deutlich die Fakten checkt. Das heißt zum Beispiel die Bilderrückwärtssuche nutzt, prüft wer Autor ist, oder ob der Link in Ordnung ist."

Die jungen Nutzer haben – zumindest nach ihrer eigenen Einschätzung - mehr Medienkompetenz als die Erwachsenen. Wenn es um die Vermittlung von Medienkompetenz geht, ist die LfM gefragt.

[LfM-Direktor Dr. Tobias Schmid im O-Ton] "Es gibt Fake News! Wie funktioniert sowas? Woran erkennt ihr das? Was kann man tun? Das ist durchaus herausfordernd, weil vor allem die etwas älteren Nutzerinnen und Nutzer - wie die Forsa-Umfrage gezeigt hat - das oft so präsent nicht haben und wir schauen müssen, wie erreichen wir die überhaupt? Denn Fake News geschehen oft außerhalb der klassischen Medien. Das heißt: Wir müssen überlegen, wie kommen wir in Kontakt und wie kriegen wir das so aufbereitet, dass es leicht verständlich ist."

Das LfM-Projekt "klicksafe" gibt Mediennutzern praktische Tipps. Zum Beispiel wie jeder von uns Quellen, Fakten und Bilder im Internet einfach überprüfen kann.
Aktuell kann bei der Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht der sogenannten alten Medien die Landesanstalt für Medien NRW einfacher handeln als bei Verstößen im Internet.

[Vorsitzender LfM-Medienkommission, Prof. Dr. Werner Schwaderlapp] "Wir haben uns zu überlegen, was es bedeutet, wenn Fake News jetzt nicht so sehr in klassischen Medien auftreten, sondern im Internet, wo wir bisher keine Zugriffsmöglichkeiten haben, wo wir aber überlegen müssen, ob es nicht dort genauso wichtig ist für fairen Journalismus und für begründete Arbeitsformen zu sorgen, wie in den alten Medien."

Die Befragten der LfM-Studie wünschen sich hierfür neue Gesetze. 86 Prozent plädieren für eine einfache Kennzeichnungs-Möglichkeit für falsche Nachrichten.

Die Medienversammlung sorgte insgesamt für einen intensiven Austausch. Nicht nur für Mediennutzer, sondern auch für Medienmacher sind Fake News eine Herausforderung, die es anzupacken gilt.